domingo 29 de enero de 2012


Peru/Schweiz

Humala - Neuer Shootingstar in Davos

Im schweizerische Davos findet das Weltwirtschaftsforum statt. Foto: Flickr
Vor einem Jahr galt er in Wirtschaftskreisen noch als peruanischer Hugo Chávez, der das Andenland Peru in ein zweites Kuba verwandeln würde. Sechs Monate nach seinem Amtsantritt als peruanischer Präsident reist Ollanta Humala zum Stelldichein mit der weltweiten Elite ins schweizerische Davos zum Weltwirtschaftsforum. Investoren werben will der 48-jährige Humala, der als junger Militär und Putschist gegen den Diktator Alberto Fujimori vor zwölf Jahren erstmals von sich reden machte. Dabei mag er sich den ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva zum Vorbild genommen haben, der sich zur Überraschung aller vor zehn Jahren als Star in Davos entpuppt hatte.
Eines unterscheidet jedoch Humala von Lula. Ollanta Humala sieht sich selbst nicht als Linker, wie er vor kurzem in einem seiner seltenen Interviews verkündete. „Ich bin kein Linker, sondern ein Nationalist, dem es um die soziale Gerechtigkeit geht“, sagte Humala der spanischen Tageszeitung "El Pais". Aber auch mit der Rechten würde er sich nicht identifizieren. Dafür hat die Rechte umsomehr Gefallen an dem ehemaligen Bürgerschreck-Präsidenten gefunden.
Peru profitiert von Wirtschaftskrise der Anderen
Vor seiner Abstecher nach Davos, machte er in Madrid Station. Im wirtschaftlich darbenden Spanien war er heftig umworben von König, Präsident und Unternehmern. Denn der peruanische Präsident kommt dieses Mal nicht als Bittsteller, sondern als Vertreter eines aufstrebenden Landes. Die peruanische Zentralbank hat eben wieder einen Rekord an Devisenreserven bekannt gegeben und verkündet, sie sei gut gewappnet, falls die Eurokrise auch auf Lateinamerika überschwappen sollte. Das Wirtschaftswachstum variiert seit Jahren zwischen sieben und acht Prozent und soll im nächsten Jahr nur vier bis fünf Prozent betragen. Die Peruaner haben letztes Jahr, gleich nach den Kolumbianern, am meisten Neuautos in ganz Lateinamerika gekauft. „Wir hoffen, dass der Wind der Krise an uns vorbeiweht“, sagte Humala gönnerhaft in Spanien.
Wie kaum ein Land profitiert Peru von der Wirtschaftskrise der Anderen: Perus Kupfer wird in chinesischen Fabriken nachgefragt, und je mehr Dollars und Euros in die Krise geraten, desto mehr gieren die Anleger nach peruanischem Gold. Wichtigste Handelspartner Perus sind heute China, wegen der Metallexporte, und die kleine Schweiz wegen der Goldexporte, die zumindest über Schweizer Bilanzen laufen. Kein Wunder, dass Humala seinen Besuch in Brüssel auf März verschoben hat – der Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union kann angesichts der gut laufenden Geschäfte warten.
Hohe Rohstoffpreise bringen Geld und Konflikte
Peru möchte Investitionen, aber nicht irgendwelche. Humala weist immer wieder darauf hin, dass Peru Technologietransfer braucht, damit es nicht im Rohstoffexport stecken bleibt. Denn obwohl die hohen Rohstoffpreise Humalas Regierung das Geld einbringen, damit er seine versprochenen Sozialprogramme umsetzen kann, so sorgen sie zu Hause in Peru auch für anhaltende Konflikte.
„Conga“ heisst das Goldabbauprojekt, das Humala schon einige schlaflose Nächte bereitet haben dürfte. Der Regionalpräsident von Cajamarca sowie eine breite Bürger- und Bauerninitaitive stellt sich gegen die bereits genehmigte Erweiterung der grössten Goldmine Südamerikas, Yanacocha. Ein internationales Expertenteam soll nun innerhalb von 40 Tagen feststellen, ob die beabsichtigte Mine tatsächlich den Bauern und Bewohnern der Stadt Cajamarca das Wasser abgraben wird. Die Bergbau-Gegner aus Cajamarca befürchten , dass das neue Gutachten nur eine Alibi-Übung ist, und die Regierung das Bergbauprojekt auf jeden Fall durchdrücken will. Beim Conga-Konflikt geht es auch um die Machtverteilung zwischen Zentralregierung und gewählter Regionralregierung.
Die Reichtümer Perus werden in den Regionen gefördert – letztendlich bestimmt aber darüber die Regierung in Lima. Jedoch sind in Peru auch die Regionalregierungen selbstbewusster geworden - und damit hat der Nationalist Humala durchaus seine Mühe. Angesichts dieser häuslichen Schwierigkeiten mag es für den ehemaligen Linken Humala verlockend sein, sich in Davos als neuen Shooting-Star unter Lateinamerikas Präsidenten feiern zu lassen.
(aus: www.blickpunkt-lateinamerika.de)

lunes 16 de enero de 2012

Peru und die Rallye Dakar

Platz für die schönen Weißen

Asia, Zielort der Rallye Dakar, steht für Rassismus in Peru

Von Hildegard Willer (KNA)
Lima (KNA) Nur noch dem Namen nach hat die Rallye Paris-Dakar mit Afrika zu tun. Dieses Jahr führt das Autorennen von Argentiniens Metropole Buenos Aires nach Lima in Peru und endet in Asia. In diesem Fall ist nicht der Kontinent gemeint, sondern ein mondäner Badeort rund 100 Kilometer südlich der peruanischen Hauptstadt. Dort wird am Sonntag entschieden, wer am schnellsten die Querfeldein-Strecke über die Anden und die Wüste am Pazifik bewältigt hat. Danach wird die Karawane im Korso für die Siegerehrung auf den Hauptplatz von Lima fahren.
Endstation des Rennens ist aber Asia. Für viele Peruaner ist der Badeort keineswegs ein Symbol des Motorsports, sondern steht für jenen Rassismus, der das Andenland bis heute prägt. Vor fast genau vier Jahren erlebte Asia eine Invasion besonderer Art: Am 28. Januar 2007 besetzten Hunderte junger Menschen den Strand und mischten sich unter die gut betuchten Badegäste. Gekleidet waren die Frauen in dunkelblauem Drillich, aus dem üblicherweise die Arbeitskleidung peruanischer Hausangestellter geschneidert ist.
Damit wollten sie dagegen protestieren, dass Bediensteten in Asia das Baden im Meer verboten wurde - und dies, obwohl alle Strände kraft Gesetz in Peru öffentlich zugänglich sein müssen. Hausangestellte werden in Asia nicht gern am Strand gesehen. Sie sollen unsichtbar bleiben, obwohl sie unentbehrlich sind. Ohne sie, die sich um die Kinder und den Haushalt kümmern, könnten sich wesentlich weniger Frauen und Männer dem lässigen Strandleben hingeben.
Die Strandkundgebung mit dem Namen "Operation mutige Hausangestellte" fand ein großes Medienecho. Die Bürger von Asia mussten ihre Baderegeln ändern. Seitdem dürfen auch Hausangestellte ihre Arbeitskluft aus- und den Bikini anziehen und die Pazifikwellen genießen.
Auch wenn diese Benachteiligung beseitigt ist. Der zugrundeliegende Rassismus im Land schwelt weiter. Die reichen Badegäste Asias sind meist weißer Hautfarbe, während die Dienstboten, so wie die Mehrheit aller Peruaner, indigene Vorfahren haben. "In den vergangenen vier Jahren hat sich Einiges getan in Sachen Diskriminierung", berichtet Wilfredo Ardito.
Der Anwalt, Vorkämpfer für die Gleichberechtigung von Menschen aller Hautfarben, verweist darauf, dass in jüngerer Zeit mehrere Gemeinden Verordnungen gegen ethnische Diskriminierung erlassen haben. Seitdem dürfen Lokale nicht mehr den Zugang wegen der Abstammung verwehren, und auch Stellenausschreibungen dürfen die Anforderung "gutes Aussehen" - eine peruanische Umschreibung für "weißhäutig" - nicht mehr verwenden.
Dennoch ist es ein langwieriges Unterfangen, Vorbehalte zu ändern. Eine jüngste Studie der renommierten Wirtschaftsuniversität "Universidad del Pacifico" brachte ans Licht, dass auf dem peruanischen Arbeitsmarkt ethnische Diskriminierung weiter an der Tagesordnung ist. Vor allem indigen aussehende Frauen haben es schwer, einen qualifizierten Job zu finden. Bis heute verdienen dunkelhäutige Peruaner 50 Prozent weniger als ihre helleren Landsleute.
Nach Meinung von Wilfredo Ardito fehlt eine aktive Antidiskriminierungspolitik in den einzelnen Abteilungen der peruanischen Behörden. Bislang werde kein Beamter dahingehend geschult, offenen oder verdeckten Rassismus aufzudecken und zu ahnden. "Der Rassismus bei uns ist zwar nicht mehr so offen, aber er wird von ganz vielen noch als normal, als natürlich angesehen", so Ardito.
Wenn am Sonntag staubbedeckte Autos und Motorräder samt ihren müden, hoffentlich unverletzten Fahrern den Strand von Asia belagern, werden auf den Pressebildern vor allem weißhäutige Peruaner zu sehen sein. Und alle werden das für ganz normal halten.


domingo 8 de enero de 2012

Goldrausch in Santa Rosa

Marcelino Correa von der Bauerngemeinschaft Santa Rosa de Suyo

Als Arcesio Gonza an jenem Samstagabend  im August vor einem Jahr den Gottesdienst verliess, wusste er nicht, dass er  eben sein letztes Gebet gesprochen hatte. Fünf Häuserzüge waren es von seiner evangelischen Gemeinde zu seinem Haus im Dorf Santa Rosa de Suyo. Beim vierten Block trat ein vermummter Mann aus dem Schatten, stach mit dem Messer mehrmals auf Arcesio ein. Er fiel zu Boden, sah noch, wie der Angreifer sich auf seine Frau Benancia stürzte, die laut um Hilfe schrie. Der Sohn hörte die Hilfeschreie  im nahen Haus, konnte den Meuchelmörder in die Flucht schlagen. Auf der Fahrt ins nächste Krankenhaus an der  Grenze zu  Ecuador starb Arcesio, seine Frau und nunmehr Witwe überlebte. Der Mörder wurde bis heute, fast eineinhalb Jahre später, nicht gefasst.

Arcesio Gonza  aus dem nordperuanischen Dorf Santa Rosa de Suyo starb, weil er sich weigerte, reich zu werden.

Die Erde, auf der er und seine Vorfahren seit Jahrhunderten leben, enthält Gold. Das  ist nichts Neues. Neu ist, dass der Goldpreis so hoch ist, dass es mindestens das 10-fache einbringt, die Erde nach Gold umzugraben, statt weiterhin Ziegen und magere Kühe darauf weiden zu lassen. Der 54-jährige Bauer Arcesio war Gemeinderat und hatte mitentschieden, dass  auf dem Gemeindegebiet jedoch  nicht nach Gold gegraben werden dürfe. Einige Bauern hielten sich nicht an die Abmachung, gruben auf ihrem Land dennoch nach Gold und errichteten Goldwaschanlagen, in denen sie mit hochgiftigem Quecksilber die Goldkörner vom Rest der Steine trennen.  Der Gemeinderat liess die Goldgruben wieder zuschütten, die Goldgräber öffneten sie wieder, die gegenseitigen Beschuldigungen und Drohungen nahmen überhand – bis an jenem Abend des 21. August 2010 Arcesio Gonza umgebracht wurde.

Über ein Jahr später erzählte mir Marcelino Correa in einem Kaffee nahe beim Busbahnhof der nordperuanischen Stadt Piura wie das Unheil mit dem Mord an Arcesio Gonza in seinem Dorf Santa Rosa seinen Ausgang nahm. Marcelino ist 25 Jahre alt, sein Unterarm ist mit Stempeln aller Art übersät. Es ist ein Zeichen, dass er gerade im Gefängnis  zwei seiner Gemeinderatskollegen besucht hat, die dort  wegen Mordes angeklagt sind.Der Mord an Arcesio  Gonza hat eine Welle von Gewalt und Gegengewalt ausgelöst . Im Dorf Santa Rosa de Suyo findet heute ein Kleinkrieg statt zwischen Bauern, die Gold abbauen  und Bauern, die dagegen sind.
Marcelino gehört, ebenso wie seine zwei verhafteten Freunde, zur Fraktion der Bauern. Alle fünf Minuten klingelt sein Handy, Marcelino beschwichtigt die Zuhörer, dass es ihm gut geht und er gleich losfahren wird. „Meine Familie hat Angst, dass mir was passiert“,  erklärt er. „Jemand hat ausgesagt, er habe mich an einem Tatort gesehen, damit werde ich verdächtig als nächstes Opfer“.

Marcelino Correa ist ein junger Bauer , alles andere als reich. Trocken ist es in Santa Rosa, da wachsen keine Maracuja oder Mango, die man exportieren könnte, wie es 100 Kilometer weiter talabwärts der Fall ist. In Santa Rosa de Suyo gibt es Ziegen und ein paar magere Kühe, die sich im Gestrüpp ihre Nahrung suchen. Sonst nichts. Warum in aller Welt , so frage ich, handelt Ihr gegen jegliche ökonomische Vernunft und grabt Ihr nicht auch lieber nach Gold ? Bei dem hohen Goldpreis wäre das ein Bombengeschäft, und zu verlieren habt Ihr ja nichts.
Marcelino wird nachdenklich. „Gold ist schnelles Geld und schafft Ungleichheiten und Zwist in der Gemeinschaft“. Sie hätten Angst, dass dadurch ihre Gemeinschaftswerte verloren gingen und dass die zügellose Gier Einzug hielte.  Auch die Bedenken gegen die Umweltverschmutzung durch den Goldabbau spielten eine Rolle. „Wir haben wenig Holz, und die Bergleute brauchen das wenige Holz als Stützstreben in ihren Stollen“.  Aber haben sie eine Alternative zum Goldabbau  ? Marcelino träumt vom organischen Kaffeeanbau, aber bisher steht noch keine einzige Kaffeestaude auf seinem Land.
Marcelinos Handy klingelt zum dritten Mal in 30 Minuten. Seine Freundin ist am Apparat, der junge Mann beruhigt sie. „Ich fahre jetzt gleich mit dem Bus los nach Santa Rosa, in zwei Stunden bin ich dort“.

Marcelino ist damals gut in seinem Dorf angekommen. Er ist auch heute, an Weihnachten 2011, noch am Leben. Die Zahl der wegen des Goldes ermordeten Menschen in seinem Bezirk – sowohl Begleute wie Bauern - ist in den letzten beiden Monaten jedoch auf 14 angestiegen.

Ich weiss nicht, wer die Morde ausgeführt hat. Aber ich weiss, warum mich die Geschichte der Bauern von Santa Rosa de Suyo so berührt hat: in einem Jahr, in dem die Rede vom Wirtschaftswachstum  alles bestimmt, in dem ich einerseits in einem Land – Peru -  lebe, das sich im kollektiven Goldrausch befindet , mit einer Hauptstadt, in der an jeder Strassenecke  ein neues Einkaufszentrum entsteht, um das Geld aus dem Goldabbau auch gleich wieder ausgeben zu können.   Und andererseits in einem Jahr der Horrornachrichten aus Europa, weil eben dieses Wirtschaftswachstum ausbleibt, und alle wie verrückt Gold kaufen, weil sie glauben, damit ihre Ersparnisse vor einem  drohenden Wirtschaftskollaps  zu retten.   In einer Zeit, in der Gier hoffähig geworden ist, und in der jeder für blöd erklärt wird, weil er nicht seinen kurzfristigen materiellen Vorteil sucht: in einer solchen Zeit auf Menschen wie Marcelino zu treffen, die – entgegen aller ökonomischen Vernunft  -  sagen: „Wir verzichten auf Gold, denn das bringt nur Zwist und Umweltzerstörung“ – das ist fast wie Weihnachten.

lunes 28 de noviembre de 2011

Gold

Gold

  Ein Diskussionsbeitrag


Drei Meldungen, die erst mal nichts miteinander zu tun haben:

1) Die Raiffeisenbank in meinem Allgäuer Heimatdorf verkauft ihren Kunden normalerweise  solide Sparbriefe und finanziert die lokalen Betriebe oder den beliebten Häuslesbau. Gross war mein Erstaunen, als  der Bankangestellte bei meinem letzten Besuch einen  Prospekt hervorzog und meinte, da gäbe es auch noch sichere Anlagen in Minenprojekten in fernen Ländern….

2) Meldung in der peruanischen Wirtschaftszeitung “Gestion” vom 28. November 2011: Die USA  hat ihre Platz als zweites Hauptexportland für peruanische Produkte eingebüsst.  Die meisten peruanischen Ausfuhren gehen weiterhin nach China. Den zweiten Platz hat die kleine Schweiz den USA abgerungen.

3) Seit einer Woche tobt in Peru eine heftige Auseinandersetzung ob der Umweltgenehmigung für das geplante Grossabbauprojekt “Conga” in der nordperuanischen Provinz Cajamarca. Teile der lokalen Bevölkerung wehren sich mit Strassenprotesten und Blockaden gegen das Projekt. Für die seit Juli amtierende Regierung Humala steht die Entscheidung an, ob sie sich auf Seiten der Protestierenden stellen – die ursprünglichen Wähler Humalas – oder das Grossprojekt, das von der Vorgängerregierung genehmigt wurde, durchziehen werden.



Goldamalgam aus illegaler Goldproduktion in Nordperu

Was haben alle drei Meldungen gemein ? Es geht um´s Gold.  Ob der aktuelle Goldboom für Länder wie Peru eine Riesenchance oder ein Riesendesaster ist, hängt davon ab, wie sehr der peruanische Staat die Macht hat, regulierend einzugreifen, und die Umweltschäden auf ein Minimum zu reduzieren und andererseits die Gewinne fürs Allgemeinwohl zu maximieren.  Angesichts der dramatischen Meldungen über die Umweltschädes des Goldabbaus weltweit möchte ich hier das Augenmerk mal auf die Nachfrageseite richten:

- InPeru und anderswo ist das Goldfieber ausgebrochen, weil die Leute in Europa wie verrückt Gold kaufen wollen.  Die Antwort darauf, warum die kleine Schweiz die USA als zweites Exportland in Peru abgelöst hat, sind die Goldexporte in die Schweiz. Die bleiben nicht unbedingt in Schweizer Tresoren sondern werden von dort über ganz Europa verteilt. Wer kauft Gold  ? Schliesslich sind solide Mitteleuropäer wie die Deutschen keine Inder, die ihren Reichtum gerne mit goldbehängten Ehefrauen zur Schau stellen.  Nein, das Gold  ist die Sicherheits-Reserve für den deutschen Sparer, den kleinen wie den grossen, der angesichts der Euro-Krise meint, mit Gold seine Ersparnisse sichern zu können. Jeder, der heute Gold kauft oder Anteile an Goldminen oder Aktien in einem Anlagenfonds hat, der auch in Gold investiert, trägt dazu bei, dass in Ländern wie Peru das Goldfieber ausbricht – mit allen Vor- und Nachteilen.

- Nachdem ich zig Goldminen in Peru besucht habe, illegale wie legale, ein-quadratmeter-grosse Schächte wie kilometerlange Tagebauten, fairtraide-zertifizierte wie übel beleumdete, kann ich vor allem eines sagen: ökologisch unbedenkliches Gold ist ein Widerspruch in sich. Ich zumindest habe keines gefunden. Ohne Quecksilber oder Zyanid ist keine Goldproduktion möglich, alternative Technologien stecken in den Babyschuhen. Man kann die Beeinträchtigungen für die Umwelt mittels gewisser Technologien reduzieren und kontrollieren, aber nicht umweltneutral produzieren.  “Öko-Gold” ist so unsinnig wie ein “Öko-Auto”.
( Die einzige Ausnahme dürfte Recycling-Gold sein ).  Das muss jeder wissen, der – in welcher Form auch immer – Gold kauft.

Nicht immer sind die grossen multinationalen Unternehmen die grössten Umweltschänder. Sie haben die Mittel, neueste Technologien einzusetzen und haben das Risiko des Imageverlustes, wenn sie hier Pfusch betreiben. Andererseits stellen die Bergbauvorhaben der Multis schon aufgrund ihrer Grösse einen enormen Eingriff in ein komplexes Öko-System und die Langzeitfolgen sind, mangels Erfahrungswerten, nicht abzuschätzen. Wichtig wäre hier, dass der zuständige Staat im Vorfeld  mögliche Langzeitschäden in Rechnung stellt und unabhängige und umfassende Umweltgutachten für die Bewertung als Grundlage nimmt.

- Illegal oder informell hergestelltes Gold zerstört nicht nur die Umwelt in grossem Masse und bringt dem peruanischen Staat keine Steuer-Einnahmen. Es bringt auch – ähnlich wie das Koka-Geschäft – Zwist, kriminelle Strukturen und grosse Ungleichheiten in traditionelle Dorfgemeinschaften. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen, ob  die Bewohner eines Dorfes angesichts der hohen Gewinne im Goldabbau nun nach Gold schürfen statt Ziegen hüten sollen, ziehen sich mitten durch die Dörfer hindurch.

- Ist ein Kompromiss zwischen den Einnahmen aus der Goldproduktion und dem Verlust an Umweltqualität möglich ? Der peruanische Präsident Ollanta Humala sagt ja, er wolle “Wasser und Gold”. Leider haben diesen Spruch vor ihm schon die grossen Bergbaufirmen im Munde geführt, die sich mit ihrem einseitigen Gewinnstreben das Vertrauen der lokalen Bevölkerung verscherzt haben. Die Gegner des Bergbaus interpretieren Humalas Worte deswegen als Zugeständnis an die Unternehmerseite. Dennoch möchte ich glauben, dass ein solcher Kompromiss möglich ist. Die Polarisierung zwischen einerseits Modernisierung durch Einnahmen aus der Goldproduktion und intakter Natur anderseits führt ins Abseits. Aus einem ganz einfachen Grund: gerade Länder wie die Schweiz oder Deutschland sind das beste Beispiel dafür, dass man Industrie und Modernisierung mit Schutz der Umwelt in Ausgleich bringen kann. Billig ist das nicht, okay. Aber:  warum sollen nur die Schweizer oder Deutschen einerseits Strom, fliessendes Wasser, eine Strasse und eine Schule im Dorf haben und gleichzeitig den Wald vor ihrer Haustüre?


Ich habe das Angebot des Bankangestellten meiner Raiffeisenbank, in Gold zu “machen”,  übrigens ausgeschlagen.  Wenn jemand jedoch partout nicht vom Gold lassen möchte, weil er oder sie es als beste Sicherheit für die eigenen Ersparnisse ansieht, würde ich um folgende Informationen bitten:

- Gold- oder Goldaktien mit Herkunftssiegel, am besten ein Fairtrade-Siegel: dies bedeutet, dass das Gold von  legalisierten Kleinbergleuten gefördert wird, die die staatlichen Umweltauflagen  und Arbeitssicherheitsauflagen einhalten und die Steuern zahlen. Das alles tun grosse Unternehmen auch, aber warum sollen nicht gerade die Kleinschürfer vom Goldboom profitieren ? Eine Umweltabsolution ist mit dem Fairtrade-Siegel aber nicht verbunden!

- Die rechtlich bindende  Zusicherung, dass kein informell gefördertes Gold in meinen Gold-Aktien, -münzen oder -barren enthalten ist.

Ich nehme an, dass ich mit diesen beiden Fragen nicht nur meinen Bankberater ins Schwitzen bringen würde!

lunes 21 de noviembre de 2011

Ein gutes Leben, nicht ein besseres

Der Riss geht mitten durch Länder, Regierungen, Indigena-Gemeinschaften: bedeutet gutes, erstrebenswertes Leben, eine bessere Strasse zu haben und dafür Wald zu opfern ? Oder bedeutet gutes Leben den Wald zu erhalten und dafür einen Umweg in Kauf zu nehmen? In Bolivien ist die Frage zuerst mal zugunsten des Waldes entschieden. Staatspräsident Evo Morales musste aufgrund der Proteste den geplanten Bau der Strasse durch den Nationalpark Tipnis absagen.
Eine aus ihrer Spur geratene Moderne hat die westliche Zivilisation an ihre Grenzen geführt, sagt Josef Estermann, ein in Bolivien lebender Schweizer Philosoph. Er sieht in der andinen Philosophie, der „Pachasofia“, eine Korrektur zur übermächtigen westlichen Denkart. Der Mensch ist in der Kosmovision der andinen Völker nicht als Individuum, sondern nur in Beziehung zu anderen und zur Natur zu denken. Das andine „Buen Vivir“ hat als eigener Massstab für Entwicklung Einzug in die Verfassungen von Bolivien und Ecuador gehalten. In der Praxis stehen sich aber auch in Bolivien moderne und indigene Vorstellungen des „Guten Lebens“ gegenüber, wie das Beispiel des Tipnis-Nationalparks zeigt.
Wenn Vicente Alanoca vom „Guten Leben“ spricht, leuchten seine Augen. Er erzählt davon, wie in seinem Dorf am Titicaca-See alle Bewohner bei gemeinsamen Arbeiten oder Feiern mitmachen, niemand aussen vor bleibt. Wie auch noch die kleinste Kartoffel wertgeschätzt wird, denn „sie weint, wenn Du sie wegschmeisst“. Wie ihm als kleinen Jungen behutsam beigebracht wurde, die Natur, die Mutter Erde, zu schützen. Vicente Alanoca ist Ethnologe und selber Aymara. Er ist Bürgermeister in dem Dorf, in dem er geboren wurde. Das Gute Leben, das „Sumaq Jakanha“, wie es in Aymara heisst, hat aber auch mit dem Aufrechten Gang, mit einem Leben in Würde zu tun. Diese Würde wurde wurde den Indigenas 500 Jahre lang genommen, die Erinnerung daran ist noch sehr lebendig.
Werteentwicklung in den Großstädten
Taugen die andinen Vorschläge des „Guten Lebens“, die ihren Sitz im Landleben der Anden haben, auch für die Stadt ? Oder ist es etwa eine Romantisierung des ländlichen Lebens derer, die das Landleben geniessen, weil sie nach ein paar Tagen wieder in die Annehmlichkeiten der modernen Stadt zurückkehren ?
José Carlos Silva lebt in der Millionenstadt Lima. Der Volkswirt von der Universidad Ruiz de Montoya erntet keine Kartoffeln, hat aber sehr wohl eine Vorstellung, wie man in Lima gut lebt. Zum Beispiel, in dem er seine Wege mit dem Fahrrad zurücklegt. Oder indem er mit anderen in einer Wohngemeinschaft leben und damit Raum spart und Beziehungen lebt. Im wachstumsverrückten Peru schwimmt José Carlos Silva damit gegen den Strom, noch. „ Wir haben nicht nur materielle Bedürfnisse, sondern auch immaterielle Bedürfnisse, wie Zuneigung, Geselligkeit, Spiritualität, Musse – all das wird vom Markt nicht gedeckt“ , sagt der Ökonom.
In Peru macht sich die Auseinandersetzung zwischen den Entwicklungsmodellen vor allem am Gold fest. Mehr als die Hälfte der steigenden Staatseinnahmen kommen aus dem Goldexport. Präsident Humala will damit sein ehrgeiziges Sozialprogramm finanzieren. Der Preis dafür sind verschandelte Landschaften, tote Flüsse, zerstrittene Dorfgemeinschaften. Viele betroffene Dorfgemeinschaften protestieren deswegen gegen den Goldabbau. „Wir wollen beides, Gold und Wasser“, sagte Präsident Ollanta Humala dazu im peruanischen Fernsehen. „Und dass ein technologisch sauberer Bergbau möglich sei“.
Ressource Wasser
Vicente Alanoca, José Carlos Silva und Josef Estermann, alle drei Referenten bei einer Veranstaltung der Universität Ruiz de Montoya in Lima, stimmen überein, dass dies eine Illusion sein könnte. „An Mangel an Gold ist noch niemand gestorben“, sagt Vicente Alanoca, „wohl aber daran, dass es kein Wasser mehr gab“. José Carlos Silva hat einen viel radikaleren Vorschlag: anstatt das Gold in umweltschädigenden Verfahren aus der Erde zu holen, damit es letztlich wieder in einem Banktresor in der Schweiz landet, könnte man es in der Erde lassen, und die Investoren könnten eine Aktie des Fundortes kaufen. „Der Berg ist ein viel sicherer Ort für Gold als jeder Tresor“.
( Quelle: www.blickpunkt-lateinamerika.de)

sábado 5 de noviembre de 2011

Kein Gold ohne Einwilligung der Indianer

Neues Mitspracherecht für Indigene in Peru wird zum Zankapfel

Von Hildegard Willer (KNA)
Lima (KNA) "Bist Du ein Indigena", oder gar: "bist Du ein Indio?" Wer diese Frage einem Peruaner stellt, wird sehr wahrscheinlich ein empörtes "Nein" zur Antwort bekommen. Nur in der Touristikwerbung werden Peruaner als bezopfte, barfüßige Lamatreiber dargestellt, als stolze Nachfahren der Inka. Die Realität ist eine andere: Zwar gibt es kaum einen Peruaner, der nicht auch indigene Vorfahren hat; aber stolz darauf durfte er bislang nicht sein. Das könnte sich jedoch bald ändern.
Künftig muss der peruanische Staat die indigenen Völker befragen, bevor er auf ihrem Gebiet ein Projekt umsetzen will. Das Gesetz zur Konsultation hat der frisch amtierende Präsident Ollanta Humala Anfang September verkündet. Das Ziel: den sozialen Frieden im Land wiederherzustellen. Denn bislang werden indigene Dorfgemeinschaften in den Anden und im Amazonasgebiet vor vollendete Tatsachen gestellt, wenn ihr Terrain für ein Bergwerk, eine Erdölbohrung oder ein Wasserkraftwerk genutzt wurde. Das eigenmächtige Vorgehen der Regierungsbeamten aus der Hauptstadt Lima im Verbund mit privaten Investoren führte zu mehr als 200 teils gewaltsamen Protesten im ganzen Land.
Kein Wunder, dass bei den Umsetzungsbestimmungen des neuen Gesetzes jeder ein Wörtchen mitreden möchte: die Indigenas ebenso wie die Unternehmen oder die verschiedenen Ministerien. Betraut mit der Ausarbeitung wurde eine auch in Deutschland bekannte Peruanerin: die afroperuanische Sängerin und neue Kulturministerin Susana Baca. In ihrem Ministerium sind die Indigena-Behörde INDEPA wie auch das Staatssekretariat für interkulturelle Angelegenheiten angesiedelt. Deren Leitern, die mit der Erarbeitung der Ausführungsbestimmungen beauftragt waren, hat Baca vor einer Woche kurzerhand den Laufpass gegeben.
Die Gründe dafür sind vielfältig; die Maßnahme zeigt aber, wie sensibel das Thema in der peruanischen Öffentlichkeit ist, noch bevor das Gesetz überhaupt in Anwendung kommt. "Das Wichtigste ist, dass wir in Peru eine starke Indigena-Behörde schaffen", kommentiert Rocio Silva-Santisteben vom Dachverband der peruanischen Menschenrechtsgruppen. Diese setzen sich seit Jahren für die Rechte der Indigenas gegenüber den Bergbau- und Erdölfirmen ein - und feiern das neue Gesetz als eine wichtige Errungenschaft.
Eine der ersten Aufgaben wird sein, überhaupt ein Verzeichnis der Indigenas in Peru zu erstellen. Bislang gibt es etwas Ähnliches nicht. Denn vor 40 Jahren schaffte eine linke Militärregierung die Kategorie "Indigena" kurzerhand ab und erklärte alle Landbewohner zu sozialistischen Bauern.
Dabei sind die "Bauern" oder "Indigenas" in Peru äußerst vielfältig. Von rund 15 nicht kontaktierten Indigena-Völkern im Amazonas bis zu den Nachfahren der Ureinwohner im Norden Perus, die ihre ursprüngliche Sprache und viele Sitten längst verloren haben, reicht die ganze Bandbreite peruanischer "Indigenas", die mit dem neuen Gesetz ein wichtiges Machtinstrument in die Hand bekommen. Nicht nur die Indigenas, sondern auch Privatinvestoren warten ungeduldig darauf, wie es nun umgesetzt wird. Am 10. Januar will der neue Staatssekretär für interkulturelle Angelegenheiten die Umsetzungsbestimmungen vorlegen.
In Peru boomt die Wirtschaft - dank der Rohstoffexporte. Peru gehört zu den großen Goldförderländern und ist attraktiv für Investoren, denen Europa oder die USA inzwischen zuwenig Rendite bieten. 42 Milliarden US-Dollar internationales Kapital warteten darauf, so die peruanische Tageszeitung "La Republica", sich in einer peruanischen Gold- oder Kupfermine wundersam zu vermehren.
Die Indigenas, bislang Bürger zweiter oder dritter Klasse, haben es nun in der Hand, diese Investitionen wenn nicht zu kippen, so doch zumindest zu verzögern. Schon möglich, dass in einigen Monaten mehr Peruaner als bisher auf die Frage, ob sie Indigenas seien, mit einem stolzen "Ja" antworten.

martes 25 de octubre de 2011

Susana Baca als Kulturministerin

Madame Inklusion

Von Hildegard Willer (KNA)
Lima (KNA) Das Schlagwort von der "Inklusion" macht in Peru die Runde, seit der Linksnationalist Ollanta Humala Präsident ist. Die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Einbeziehung bisher ausgegrenzter Bevölkerungsschichten soll ein Schwerpunkt seiner Regierung werden. Die Sängerin Susana Baca will ihm dabei helfen. Denn die Diskriminierung als schwarze Peruanerin hat die 67-Jährige am eigenen Leibe erlebt. "Kein Kind soll jemals wieder in Peru mit diesen Erfahrungen aufwachsen müssen", meint sie.
"Du bist die Inklusion in Person, du musst zusagen", habe der Präsident zu ihr gesagt - und Susana Baca sagte Ja. Seit Juli ist sie nun Kulturministerin ihres Landes. Die elegante Frau mit dem kurzen schwarzen Kraushaar ist damit die erste schwarze Ministerin Perus. Das ist für das immer noch von kolonialen und rassistischen Mentalitäten geprägte Andenland eine kleine Sensation.
Dabei ist Susana Baca die wohl bekannteste peruanische Sängerin der Gegenwart. Ihre Neukreationen traditioneller afro-peruanischer Rhythmen und Melodien haben ihr zu einem festen Platz in der Weltmusik-Szene verholfen; sie ist gern gesehener Konzertgast auch auf europäischen Bühnen. Das wurde ihr zu Beginn ihrer Amtszeit als Kultusministerin fast zum Verhängnis.
Obwohl sie das Amt unter der Bedingung antrat, ihre für Herbst zugesagten Konzertengagements im Ausland erfüllen zu können, nahm ihr die peruanische Öffentlichkeit ihre Abwesenheit übel. Die Opposition bemängelte über die Medien, Susana singe, statt ihre Arbeit zu machen. Ihre für November geplante Tournee hat sie nun abgesagt. Sie werde sich ab jetzt voll auf ihre Arbeit als Ministerin konzentrieren.
Und damit hat sie alle Hände voll zu tun. Das Ministerium ist erst ein Jahr alt und muss noch noch um Anerkennung und Budget kämpfen. So gehört zu Bacas neuen Aufgaben der Schutz von Ausgrabungsstätten. "Ganz Peru ist voll von prähispanischen Heiligtümern. Das ist unser Gedächtnis", begeistert sich die Neupolitikerin. Allzuoft sind die Denkmäler bereits von Grabräubern besucht worden, bevor sich der peruanische Staat um die Stätten kümmert. Eine weit heiklere Aufgabe steht ihr mit der Umsetzung des neuen Gesetzes zur Konsultation indigener Völker ins Haus.
Bacas Staatssekretariat für Interkulturalität soll den Dialogprozess zwischen Regierung und Investoren einerseits und indigenen Gemeinschaften andererseits führen. Im August hat der peuranische Kongress ein Gesetz verabschiedet, das die Regierung zwingt, die indigenen Völker vor der Durchführung von Projekten auf ihrem Territorium zu konsultieren. Damit soll den mehr als 200 sozialen Konflikten die Spitze genommen werden. Was denn vorgesehen sei, wenn sich die Indigenen und die Regierung nicht einigen könne? "Sie müssen sich einigen, es geht gar nichts anders", ruft Baca emphatisch. "Wir brauchen Wirtschaftswachstum, um die Armut bekämpfen zu können."
Im Januar will eine Komission aus mehreren Ministerien die Umsetzungsverordnung vorlegen. Darauf warten viele indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet und in den Anden, die erfahren, dass auf ihrem Land Gold, Kupfer oder Erdöl gefördert werden oder ein Wasserkraftwerk oder eine Straße gebaut werden soll.
Susana Bacas später Wechsel in die Politik hat ihr Leben umgekrempelt. "Vorher habe ich viermal in der Woche mit meinen Musikern geprobt", erzählt die Ministerin. Nun wird sie morgens vom Chauffeur abgeholt und arbeitet im achten Stock des bunkerartigen Nationalmuseums, einem architektonischen Erbe des Kalten Krieges. Etwas verloren wirkt die kleine Frau dort, umgeben von sechs Telefonen und mit der Aussicht auf die Skyline von Lima. Obwohl sie sich ganz ihrer neuen Aufgabe widmet, wie die Ministerin betont, werde die Musik ihr Leben bleiben. "Zwei Stunden pro Woche möchte ich mir irgendwie fürs Üben abzwacken. Das darf ich doch noch als Ministerin, oder?"
(Quelle: KNA)