miércoles, 10 de julio de 2013

Gold - die Geißel des Amazonas

Lima (KNA) Ein Kilogramm Quecksilber passt in eine Halbliter-Plastikflasche und ist in einigen Gegenden Südamerikas so einfach erhältlich wie Bier oder Cola. 480.000 Tonnen Quecksilber haben die Anrainerstaaten des Amazonasbeckens - Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Brasilien - 2012 gemeinsam eingeführt. Nur ein kleiner Bruchteil davon wird für Zahnfüllungen oder zur Herstellung von Batterien gebraucht. Der allergrößte Teil des hochgiftigen Metalls landet in den Camps illegaler Goldschürfer. Ohne Quecksilber können sie die Goldsteinchen nicht vom umliegenden Material trennen.

"Der illegale Goldabbau ist eine Geißel", sagte der peruanische Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal bei einem Forum in der peruanischen Hauptstadt, das erstmals Experten aus den sechs Anrainerstaaten des Amazonasbeckens zusammenbrachte. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Illegaler Goldabbau ist längst ein Problem aller Amazonasländer geworden. Gesicherte Zahlen sind bislang dürftig - eben weil es sich um Goldgräber handelt, die ihr Gewerbe nicht anmelden; die Realität ist dennoch erschreckend. In 21 von 24 peruanischen Provinzen schürfen Menschen ohne Genehmigung oder Einhaltung von Umweltvorschriften nach Gold.

Besonders schlimm ist es in der an Brasilien grenzenden Provinz Madre de Dios: Bevor der Flusssand nach Goldsand umgegraben werden kann, muss der Urwald gefällt werden. 18.000 Hektar Regenwald sind dort bereits dem Goldabbau zum Opfer gefallen. DiE armen Kleinschürfer werden dabei selten reich. "Die illegale Goldgräberei wird mit großen Flussbaggern und Schaufelbaggern betrieben. Das Kapital dazu stammt auch von mächtigen Investoren", sagt Ernesto Raez, Berater im peruanischen Umweltministerium.

In Kolumbien wird 63 Prozent allen geförderten Goldes ohne amtliche Genehmigung und damit auch ohne Umweltaufsicht geschürft. Goldproduktion ist lukrativ für Drogenbarone; aber auch die Guerilla kassiert Wegezoll für ihren Schutz der illegalen Goldminen, wie Leonardo Guiza von der Universidad del Rosario in Bogota berichtet. Mit 180 Tonnen eingeführten Quecksilbers jährlich führt Kolumbien die Statistik beim Verbrauch des hochtoxischen Metalls an. In Brasilien graben rund 75.000 Goldschürfer, dort "Garimpeiros" genannt; sie sind vor allem im Norden Brasiliens tätig, an der Grenze zu Venezuela. Aus Ecuador und Bolivien sind wenig gesicherte Zahlen erhältlich; aber das Problem nimmt auch dort zu.

Der Schaden durch den illegalen Goldabbau ist immens: Das Quecksilber gelangt unkontrolliert in die Nahrungskette der Anwohner und ins Grundwasser; die Goldschürfer selbst atmen hochgiftige Dämpfe ein. Prostitution und Gewalt begleiten das lukrative Geschäft des schnellen Goldes. Den Staatskassen entgehen Millionen an Steuergeldern. Nun hat Kolumbien Strafen verhängt. In Peru wird der Handel mit Quecksilber und Benzin - das für die Dieselmotoren und Bagger gebraucht wird - strenger als bisher kontrolliert.

Der Abbau im Regenwald steht ebenfalls unter Strafe. Doch kaum ein Goldgräber lässt sich durch die neuen Gesetze von dem lukrativen Geschäft abbringen. Allein in Peru leben 100.000 bis 200.000 Menschen vom illegalen Goldabbau. Minister Pulgar-Vidal will nun mit Polizei und Militär gegen die Goldgräber im Amazonasgebiet vorgehen: "Wir müssen die Gesetze durchsetzen", sagt er - "auch wenn die sozialen Kosten dafür hoch sind".

Der Hauptteil des illegal geförderten Goldes gelangt über Zwischenhändler ganz legal nach Europa. Wirksamer als alle gesetzlichen oder sogar militärischen Maßnahmen dürfte der Weltmarkt sein: Wenn der Goldpreis weiter sinkt, rentiert es sich irgendwann nicht mehr, den Amazonas abzuholzen, um im Flusssand nach Gold zu buddeln.
(Quelle: KNA - Katholische Nachrichtenagentur)

viernes, 5 de julio de 2013

Kein Respekt vor dem Paradies

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Den Tag im Januar diesen Jahres wird Marco Guillén nie vergessen:
mit seinem Team trug der junge peruanische Archäologe, wie jeden Tag, Sandschicht um Sandschicht ab in der vorinkaischen Tempelanlage “El Paraíso”.  Dabei legte er eine Feuerstelle frei, auf der die ersten Siedler Limas für ihre Gottheiten das heilige Feuer instand hielten. Auf bis zu 3000 Jahre vor Christus, also auf 5000 Jahre,  datierten die Archäologen den Fund, um 800 Jahre älter als erwartet – eine Sensation in archäologischen Kreisen. Denn bis jetzt kann nur die Ausgrabungsstätte Caral, ein paar Hundert Kilometer nördlich von Lima, mit diesem Alter aufwarten.Der erst 33-jährige Guillén hatte mit zwei noch jüngeren Assistenten und den Ausgrabungshelfern  mit viel Engagement und wenig Geld einen Fund gemacht, von dem viele Archäologen träumen dürften.

Die meisten Touristen kennen Macchu Picchu und nehmen Lima als notwendigen aber ungeliebten Zwischenstopp in Kauf, um in die Anden zu reisen. Dabei hat der 8-Millionen-Moloch Lima 500 vorinkaische archäologische Stätten vorzuweisen.  “Huaca”  nennt man in Peru die archäologischen Reste nicht nur der Inka sondern all der Völker vor ihnen, die die Anden und die Pazifikküste Südamerikas besiedelt hatten. Man findet die grauen Sandhügel allenthalben im Stadtgebiet von Lima: neben dem Armenviertel ebenso wie im heutigen Luxusviertel. Oft sind sie nicht mal durch einen Zaun geschützt. Die “Huaca El Paraiso” ist eine der grössten und unbekanntesten Huacas in Lima. Sie liegt am Ende des Stadtteils San Martin de Porras, vor 50 Jahren am Rande Limas gelegen, heute  mitten in der Stadt, an der Grenze zum Hafen-Distrikt Callao.

Grosse Pläne hat Marco Guillén mit der Huaca El Paraiso: ein Naherholungsziel soll die archäologische Stätte werden, die zudem einigen Menschen im ärmlichen Viertel San Martin de Porras Arbeit gibt. Denn die Huaca El Paraiso wird – im Gegensatz zu anderen Huacas -von einem lokalen Verein instand gehalten und bis heute für rituelle Veransaltungen genutzt. “Hermana Killa”, “Schwester Mond”, nennt sich Maria Rosales in Anlehnung an ihre indianische Herkunft aus den Anden. Jeden Tag sitzt sie an ihrem Stand vor der Huaca und informiert die wenigen Besucher über die einstigen Traditionen. Sie sieht sich als Erbin ihres Grossvaters, eines Schamanen aus dem nordperuanischen Huaraz. Jedes Jahr zur andinen Sonnwend (Inti Raymi) , organisiert sie zusammen mit dem Verein und Distriktsverwaltung ein Inti Raymi-Fest nach andinem Brauch.  (Hier ist ein Video vom diesjährigen Inti Raymi in der Huaca El Paraiso http://www.youtube.com/watch?v=jBDgSr8yU_o)

Es waren die Nachbarn der Huaca El Paraiso, die am 1. Juli nachmittags den Baggern Einhalt geboten, die eine noch nicht ausgegrabene Pyramide zerstört hatten und sich anmachten, die restlichen Erdhügel und damit auch die vorinkaischen Spuren zu beseitigen. Im Auftrag zweier Baufirmen waren die Arbeiter in die geschützte Zone eingedrungen. Im boomenden Lima ist Baugrund rar und die städtischen Beamten sind empfänglich für Bestechungsgelder. Von der Huaca El Paraiso wurden die Baufirmen nur dank der Wachheit der Anwohner vertrieben. Das ist nicht immer so.

Wieviele Huacas in Lima bereits einem Hochhaus zum Opfer gefallen sind ? Das weiss niemand genau. Dabei sind die archäologischen Ausgrabungsstätten neben den ausgewiesenen Naturschutzgebieten, die einzigen Zonen im Land, in denen per Gesetz nicht einfach eine Strasse, eine Mine oder ein Bohrloch gebaut werden kann. Jeder, der ein Grossprojekt vorhat, muss sich einen archäologischen Unbedenklichkeitsbescheid vorlegen. Ein Grossteil der peruanischen Archäologen – die auch hier sonst eher zur Gattung arbeitsloser Akademiker zählen -  arbeitet für den Staat oder für private Firmen in der Erstellung  dieser Gutachten . Das Kultusminsterium prüft sie dann und gibt die Zustimmung oder Ablehnung des Projektes – analog zu den Umweltgutachten.Für die meisten Firmen ist das CIRA  (certificado de inexistencia de restos arqueológicos) eine reine Formalität – die ihnen aber zulange dauert. Unter den jüngsten Massnahmen der peruanischen Regierung, um die Investitionen zu fördern, befindet sich auch eine neue Vorgabe für das Kultusministerium: wenn sie innerhalb von 20 Tagen die archäologischen Gutachten nicht geprüft haben, so tritt ihre Gültigkeit automatisch in Kraft.

Während um die Güte und Unparteilichkeit der Umweltgutachten in Peru wenigstens öffentlich debattiert wird, ist die Auslöschung des archäologischen Erbes zugunsten von Strassen,  Hochhäusern und Bergbauminen bisher lautlos vor sich gegangen.

viernes, 24 de mayo de 2013

Wunderpflanze aus den Anden hilft Kleinbauern


Foto: Edibleoffice
"In dieser kleinen Hütte haben wir vor 13 Jahren gelebt." Rolando Pari zeigt auf ein erdfarbenes, fensterloses Lehmziegelhäuschen von vielleicht 15 Quadratmetern. Damals war die achtköpfige Familie von der nahen Handelsstadt Juliaca im peruanischen Departement Puno zurück aufs Land gezogen, um ihre brachliegenden Äcker zu bestellen. Heute ist Rolando Pari 28 Jahre alt und Agraringenieur. Mit seinen Eltern und einigen Geschwistern lebt er in einem großzügigen weißgestrichenen Haus. Verdienten sie mit der Landwirtschaft zu Anfang 100 Soles (35 Euro) im Monat, so sind es jetzt rund 500 Euro - so viel wie ein fest angestellter Lehrer. Pari verdankt dieses Wunder einer Pflanze, die lange als Viehfutter verschmäht wurde: Quinoa, auch Andenkorn genannt.
Von Januar bis März wiegen sich Quinoa-Rispen auf den Feldern des Altiplano, der Hochebene rund um den Titicaca-See. Den Inka galt die Pflanze als heilig; die Spanier verteufelten sie wie alles Indigene. Eine Renaissance der Quinoa begann mit dem Aufkommen von Fairhandels-Läden ab den 70er Jahren. Die getreideähnlichen Samenfrüchte galten als gesund und alternativ. In Peru und Bolivien selbst aber aß Quinoa nur, wer sich Reis, Nudeln oder Weizenbrot nicht leisten konnte. Die Pflanze blieb die einfache Kost der Kleinbauern.
Schon vor 20 Jahren als Astronautennahrung gepriesen
Zwar wurde Quinoa schon vor 20 Jahren von der US-Weltraumbehörde NASA wegen ihres hohen Eiweißgehalts als Astronauten-Nahrung gepriesen. Ein Boom begann aber erst, seit immer mehr Nordamerikaner und Europäer an Gluten-Unverträglichkeit litten und Quinoa als Alternative zu Weizen, Roggen und Gerste entdeckten. Seit 2005 hat sich der Preis für die Anden-Pflanze verdreifacht, die Anbauflächen wachsen. Derzeit stammen 45 Prozent der Welternte aus Bolivien, 30 Prozent aus Peru. Die Welternährungsorganisation FAO sieht in dem Ackerprodukt ein Mittel gegen den Hunger in der Welt; UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief das Jahr 2013 zum Jahr der Quinoa aus.
"Seit rund 10 Jahren bemerken wir die steigende Nachfrage nach Quinoa", erklärt Luis Jesus Lopez. Der gebürtige Spanier ist Miteigentümer der Quinoa-Mühle "Altiplano SAC" in Juliaca - in erster Linie aber katholischer Priester. Zum Unternehmer wurde er, um Vorwürfen zu begegnen, die Kirche verteile nur Almosen. Der Geistliche machte die Probe aufs Exempel und gründete vor 18 Jahren die erste Quinoa-Mühle in Juliaca mit dem Ziel, Zwischenhändler auszuschalten und damit den Gewinnn der Bauern zu vergrößern. Gleichzeitig rief er eine Kooperative ins Leben; zu den ersten Teilhabern gehörte die Familie Pari. Heute verarbeitet "Altiplano SAC" in ihrer modernen und international zertifizierten Anlage 100 Tonnen organisch angebaute Quinoa pro Monat. Ihre Quinoa-Flocken, Quinoa-Popcorn und andere Produkte gehen an Importeure in Europa und Nordamerika.
Steigende Nachfrage bringt Mehreinnahmen und Konflikte
Die steigende Nachfrage brachte den Bauern Mehreinnahmen, aber auch Konflikte: Die Ausweitung der Anbaufläche geht auf Kosten der Lama-Zucht, die Pflanzen laugen die Böden aus, und zudem kommt es zu Besitzkonflikten um brachliegendes Land. Da die Quinoa inzwischen ein Luxusgut geworden ist - in Lima kostet ein Kilo Quinoa fast drei Euro, ein Kilo Reis dagegen einen Euro - verkaufen die Bauern ihre Quinoa lieber und essen selbst weniger nahrhaften Reis oder Nudeln.
Rolando Pari verdankt Quinoa seinen bescheidenen Wohlstand - aber allein auf das Anden-Korn will er nicht setzen: Klimaschwankungen und unvorhergesehene Kälteeinbrüche in den vergangenen Jahren haben mehrfach Ernten vernichtet. "Uns ist es mit der Landwirtschaft gut gegangen", sagt der 28-Jährige trotzdem. Zurück in die Stadt will er nicht. Als Jung-Unternehmer hat er klare Vorstellungen, wie er die Landwirtschaft diversifizieren und ausbauen kann. Dass ein junger Peruaner wie er auf dem Land wieder eine Perspektive sieht - das ist das eigentliche Wunder in den Anden.
Quelle: KNA, Autorin: Hildegard Willer

sábado, 11 de mayo de 2013

Alasitas - schöne indigene Welt

Die Stände bieten  feil, was das Herz begehrt: Häuser in allen Bauphasen, vom Rohbau bis zu mehrstöckigen Geschäftshaus mit Spiegelglasfassade und Friseursalon, Autos (besonders beliebt: Pick-ups mit Vierradantrieb), ein Topf mit Goldtalern, Abschlussurkunden der renommiertesten Universitäten, Reisepaesse, und dazwischen immer wieder Bündel von Geld, Geld, Geld.Die Menschen drängen an die Verkaufsstände, besonders beliebt sind Geldscheine und Universtätstitel. All die Artikel gibt es als Miniaturen auf dem Jahrmarkt “Alasitas” in Puno zu kaufen. Mit dem Kauf alleine ist es jedoch nicht getan. Nur wenn man daran glaubt ,  wird der  Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen. Die Verkäuferinnen segnen das gekaufte Kleinod über dem Weihrauch mit ein paar Aymara-Worten, besprengen es mit billigem Wein, schütten gelbes Konfetti dazu und überreichen es Dir in der unvermeidlichen Plastiktüte. Danach bringen viele das Gekaufte nochmal in die nahegelegene Kapelle, um es auch vom katholischen Priester segnen lassen. Doppelt genäht hält besser.  Jedes Jahr Anfang Mai wird im peruanischen Puno der Jahrmarkt der Wünsche abgehalten, “Alasitas” genannt, und es herrscht kein Zweifel daran, dass die Menschen in Puno – wie auch im benachbarten Bolivien, wo das “Alasitas” ebenfalls intensiv gefeiert wird – fest an dessen Wirksamkeit  glauben. Ganze Familien scharen sich mit ihren Miniatur-Käufen um die Yatiris, die indigenen Priester, die an Alasitas das Geschäft des Jahres machen. Die Bezahlung darf dann auch gerne in einem Kasten Bier bestehen, mit dem das Gekaufte besprengt und gesegnet wird – zuvor wird der Mutter Erde, der Pachamama, ihr Schluck Bier gegeben, so will es der Brauch.
 
 
Ach die Pachamama! So oft zitiert in den Schriften über die andine Kosmovision vom Guten Leben, der zufolge der Mensch in Einklang mit der Natur lebt, im Gegensatz zu unserer westlichen Zivilisation, die alle mit Wohlstandsmüll überschüttet.  Die Pachamama ist an Alasitas so wenig zu finden, wie eine “Pituca” aus dem Limaer Nobelviertel San Isidro, wo das Indigene höchstens im von Gaston Acurio veredelten Speisegericht goutiert wird.
Ein paar Schritte neben den Ständen stirbt der Titicaca-See an ungeklärt eingelassenen Abwaessern  der Stadt Puno oder an der toxischen Arsen-Cadmium-Quecksilber-Mischung, die illegale Bergleute flussaufwärts ins Wasser schütten. Der Titicaca-See war 2012 zum bedrohten See des Jahres ernannt worden. Die Menschen in Puno scheint das nicht zu stören: kein einziger Wunsch ist zu kaufen, der die Heilung der Umwelt zum Thema hat. Stattdessen Geld, Gold, Waschmaschine, Haus und Auto. Das ist Gutes Leben. In Puno wie anderswo auch.
 
Die indigene Vision vom Guten Leben sei den Bolivianern und Peruanern,  von aussen aufoktroyiert worden. Die sogenannte andine Kosmovision würde vor allem den Projektionen der westlichen Wohlstandsgesellschaften entspringen, mehr als der tatsächlichen andinen Welt. Die sei in ihrer harten Natur nämlich nie komplementär oder harmonisch gewesen, sondern mit ihren wiederkehrenden Dürren verdammt hart. Und dass das komplementäre Zusammenleben von Frau und Mann auch in den Anden nicht funktioniert, zeigten nur schon die schreiend hohen Ziffern häuslicher Gewalt.  Das schreibt der Bolivianer Carlos Macusaya in der Zeitschrift Pukara (http://www.periodicopukara.com/archivos/pukara-81.pdf)
Sollte es tatsächlich so sein, dass ein Bewusstsein für das gemeinsame Gut “Umwelt” erst dann wachsen kann, wenn die grundlegenden materiellen Bedürfnisse gedeckt sind ? Und zu letzteren gehören, wenn man den Alasitas-Markt interpretiert, auch in den Anden ein Haus, Waschmaschine, Geld und  – die deutschen Autobauer wird´s freuen – ein eigenes Auto.
Die Utopie eines anderen, weniger materiellen, zukunftgerichteten und umweltschonenden Lebensstils ohne Wirtschaftswachstum wird wohl nicht aus den Anden kommen. Diese Utopie werden sich die Europäer  selber mühsam schaffen müssen.

sábado, 6 de abril de 2013

Denkfehler Gletscherschmelze






Die Tropengletscher schmelzen rasant – ein Grossteil dieser Gletscher befindet sich in den peruanischen Anden – die peruanische Hauptstadt Lima befindet sich an der Küste und bezieht ihr Trinkwasser aus den Anden: Ergo wird das Trinkwasser in Lima knapp, wenn die Gletscher abschmelzen. FALSCH!!!!!
Zum wiederholten Male  ist diese Falschmeldung auch in seriösen Medien zu lesen – so zuletzt in einer dpa-Meldung der heutigen Ausgabe von Spiegel Online mit dem Titel “Quelccaya-Gletscher. Perus Wassertresor schwindet rapide”. Darin wird eine Studie des Glaziologen Lennie Thompson zitiert, der das Eis am Gletscher Quilccaya untersucht hat und dabei tatsächlich zu alarmierenden Daten gekommen ist: die Geschwindigkeit des Abschmelzens hat um ein Vielfaches zugenommen, im Vergleich zu früheren Jahrhunderten. Dann noch ein Nebensatz, warum dies so alarmierend ist: die Hauptstadt Lima bezieht einen Teil ihres Trinkwassers aus dem Gletscher Quelccaya.
Das kann nur jemand behaupten, der nicht weiss, wo Quelccaya ist und wo Lima ist. Fast 700 Kilometer trennen die beiden Orte, das Wasser des schmelzenden Quelccaya im Südosten des Landes (Sicuani, Departament Cusco), fliesst in den Vilcanota und von dort Richtung Amazonas und landet letztlich im Atlantik. Lima liegt an der trockenen Pazifikküste 700 Kilometer weiter nördlich. Zu behaupten, dass Lima sein Wasser von den südlichen oder nördlichen Tropengletschern bezieht wäre so, wie wenn in Kärnten das Eis schmelzen und in Basel deswegen das Trinkwasser fehlen würde.
Der Denkfehler wird dadurch verstärkt, dass die 8-Millionen-Stadt Lima in einer Wüste liegt, und es an ein Wunder grenzt, dass das Wasser hier nicht knapp, bzw. noch knapper wird – rund 20% de Haushalte haben nämlich noch keinen eigenen Wasseranschluss.
Das Wasser-Wunder von Lima hat einen Namen und verdankt sich der Ingenieurs-Kunst: der Transandino-Tunnel  der Zentralanden führt Wasser, das auf natürlichem Wege Richtung Atlantik fliessen würde, unter der Wasserscheide hindurch an den Pazifik herunter. Gletscher gibt es in den Zentralanden schon länger nicht mehr, die sind schon längst abgeschmolzen.  Regenwasser wird stattdessen gestaut und in der Trockenzeit Richtung Lima abgelassen.  Die Wasserzufuhr Richtung Lima wird also nicht durch die Gletscherschmelze beeinträchtigt. Sehr wohl aber, wenn der Regen in den Anden ausbleibt, oder wenn ein Erdbeben den Transandino-Tunnel beschädigen sollte.
Dringender ist für Lima die Qualität des Andenwassers. Eine Abraumhalde nach der anderen säumt das Flussbett des Rimac in den Zentralanden, die Bergwerke leiten immer noch recht  unreguliert toxischen Abraum aus dem Bergbau in den Fluss ein. Die Reinigung des Trinkwassers in Lima wird dadurch um ein vielfaches teurer – die Kosten zahlt bisher der Staat, und nicht die Verursacher.
Trotz Transandino-Tunnel kann die Wasserversorgung in Lima auch quantitativ an ihre Grenzen kommen: wenn nämlich die Stadt weiter wächst und die boomende wachsende Mittelschicht meint, sie müssten in der Wüste so leben, wie dies ihre nördlichen Nachbarn in Kalifornien tun, nämlich mit grünem Rasen und privatem Swimmingpool.
Dramatisch ist die Gletscherschmelze allerdings für die Dörfer und Städte, die tatsächlich von ihnen versorgt werden, so das Tal des Santa-Flusses  im Norden (mit geplanten Spargel- und Artischockenplantagenfür den Export an der Küste) und vor allem im Süden des Landes  mit den Städten Cusco und Arequipa, wo der Quellcaya abschmilzt und wo infolge des Klimawandels der Regen aller Wahrscheinlichkeit zurückgehen wird.
Vorerst wird gerade dort der Wasserhaushalt trügerisch ansteigen, durch das zusätzliche Schmelzwasser. Das böse Ende kommt danach und wird derweil fleissig verdrängt durch Ersatzhandlungen wie Shopping und Autokauf.

sábado, 9 de marzo de 2013

Perverse Demokratie

Die Peruaner duerfen ihre Buergermeister abwaehlen, aber nicht mitentscheiden, wenn vor ihrer Haustuer eine Tagebaumine entsteht

In Suedamerika kann es gar nicht  zuviel  Demokratie geben, denkt so mancher – Pustekuchen. Was momentan in Lima ablaeuft, ist eine Verballhornung demokratischen Handelns. Viele Limeños wollen ihre Oberbuergermeisterin Susana Villarán abwaehlen. Handhabe dazu gibt ihnen ein Gesetz, das noch der autoritaere Alberto Fujimori in den 90-er Jahren auf den Weg gebracht hat, und das unter dem Eindruck  der spaeteren Aufdeckung der Korruption genau jenes Fujimori ausgefeilt wurde: gewaehlte Amtstraeger koennen noch vor Ablauf ihrer Amtsperiode abgewaehlt werden, wenn ein Viertel oder maximal 400 000 der Wahlberechtigten dies mit ihrer Unterschrift fordern.  Bis an fielen meist erwiesenermassen korrupte oder von den Wahlverlierern der Korruption bezichtigte Dorfbuergermeister diesem  Verdikt der Basis zum Opfer. Nun ist die Basisdemokratie in der Hauptstadt angekommen: 400 000 Buerger, also 5% der Hauptstadtbewohner,wollten ein Referendum ueber den Verbleib von Villarán im Amt. Am 17. Maerz muss sie sich der Abwahl stellen.





               Dass Susana Villarán korrupt sei, werfen ihr nicht mal ihre aergsten Gegner     vor.  Doch  in Peru gibt es  schlimmere Vergehen fuer einen Buergermeister. Die Wahlverlierer rund um Villaráns Amtsvorgaenger Luis Castañeda haben es geschafft, Villarán als unfaehige, untaetige „pituca“ („reicher Abkoemmling der kreolischen Aristokratie“) darzustellen, frei nach dem Effizienzkriterium der peruanischen Politik: „roba, pero si hace“ – solange er was tut, darf er auch in die eigene Tasche wirtschaften. Susana Villarán, so Volkes Stimme, nuetze ihre Ehrlichkeit gar nichts, weil sie unfaehig sei und keine „obras“ – sprich Strassen , Gebaeude, Plaetze und alles was man mit viel Pomp einweihen kann – vorzuweisen habe.
Nichts ist falscher als dieses Bild der 62-jaehrigen Villarán, die aus den Reihen der befreiungstheologisch inspirierten linken Christen stammt und sich ihr Leben lang fuer Menschenrechte und soziale Gleichheit engagiert hat.  Auf dem OB-Sessel kam sie jedoch eher zufaellig zu sitzen–  als der favorisierte Kandidat wegen eines Formfehlers disqualifiziert wurde, rueckte die linke Villarán nach und gewann im Oktober 2010 hauchduenn die Wahl gegen die Mitfavoritin Lourdes Flores.  Dass sie nur eine Mini-Partei hinter sich hat und es versaeumt hat, Allianzen zu schmieden, ist einer der Gruende dafuer, dass sie nun um ihr Amt bangen muss. Schwerer wiegt jedoch, dass sich Villarán traute, einige heisse Eisen anzufassen, die keiner ihrer Vorgaenger angehen wollte: die Ordnung des alptraumhaften Verkehrs, und die Formalisierung des Grossmarktes.  Bis anhin war beide durch halb-mafioese Strukturen bestimmt, der Verkehr in Lima mit seinen unzaehligen „wilden“ Taxis, Kleinbussen und „Combis“ genannten fahrbaren Sardinenbuechsen duerfte der chaotischste in ganz Suedamerika sein.  Villarán verfuegte, dass Bus- und Taxi-Chauffeure nur noch mit Lizenz fahren duerfen. Sie liess den Grossmarkt mitten in der Stadt raeumen und in das seit langem bereitstehende neue Gebaeude umsiedeln – die Bilder des gewaltsamen Widerstandes gegen die Polizei gingen um die ganze Welt und verhalfen Villarán zu einer schlechten Presse.
Eine juengste Untersuchung der peruanischen Zeitschrift „Poder“ verglich die Ergebnisse der letzten sechs Buergermeister Limas: Villarán schnitt dabei ueberdurchschnittlich gut ab, wenn man ihre Bilanz nach nur zwei Jahren im Amt anschaut. Ob sich mit solchen Tatsachen die Waehler umstimmen lassen ? Die Propaganda der Villarán-Gegner scheint einen tiefen Nerv im Wahlvolk getroffen zu haben, der rationalen Argumenten nicht zugaenglich ist.  Dabei ist das Wahlvorgehen selbst ein Unding: da Wahlpflicht herrscht, muessen alle Bewohner Limas – sofern sie kein Bussgeld zahlen wollen -  nicht nur ueber den Verbleib von Villaran, sondern ueber den aller ihrer Gemeinderaete abstimmen, deren Namen sie meist noch nie gehoert haben. Falls Villarán  und ihre Truppe abgewaehlt wuerde, rueckt der erste Ersatzmann ihrer Liste ins Amt nach – ein Mitglied der Kommunistischen Partei Perus, der bisher nie in Erscheinung getreten war.


Langsam mehren sich auch in den Vorstaedten die Stimmen derer, die Villaráns Amtsfuehrung nicht fuer gluecklich halten, die das absurde Theater ihrer vorzeitigen Abwahl aber durchschauen und Villaráns Gegnern keine Glaubwuerdigkeit zugestehen. Es koennte also, im besten Fall, wirklich am 17. Maerz knapp fuer Villarán ausgehen. Die letzten Umfragen ergaben eine Zunahme der Stimmen gegen die Abwahl (NO a la revocatoria),  ihre Gegner (SI a la revocatoria) haben aber noch die Mehrheit.
Waehrend auf   der politischen Buehne  der Hauptstadt  das Schmierentheater der „Revocatoria“  gegeben wird, kommt das Gesetz zur vorherigen Befragung der indigenen Bevoelkerung nicht recht vom Fleck. Bis heute werden Peruaner – ob Indigena oder nicht – naemlich nicht danach gefragt, ob sie vor ihrer Haustuer eine Tagebaumine,  eine Erdoelbohrung, oder eine Strasse haben wollen, die die Landschaft und womoeglich ihr Wasser fuer sehr sehr lange Zeit verschandeln wuerden.

lunes, 31 de diciembre de 2012

Anden-Salat





Wer meint, dass Salat nur auf  in flachen holländischen Treibhäusern wächst, den belehrt Laureano Casas eines Besseren. Auf 2500 Meter Höhe baut der Bio-Landwirt auf seinen Terrassen den knackigsten und schmackhaftesten Salat an, den es in Lima zu kaufen gibt. Und das zwei Autostunden von der Hauptstadt Lima entfernt, da wo die Strasse in einer steilen Schlucht in das Zentralmassiv der Anden hochsteigt, und nur kahle hochaufragende Berge den Weg säumen.  Eine gute Stunde wandert man vom Dorf San Jeronimo de Surco rund 500 Höhenmeter die steilen Berge hoch und danach auf einem schmalen Grat immer am Rande des Abgrunds um den Berg herum, bis die grünen Terrassen von Laureano und Teresa Casas erscheinen. Inmitten der kahlen Berghänge stehen Gemüserabatten voller Ruccola-Salat, Radieschen, Karotten, Löwenzahn, Baby-Spinat und Lattich.

Jeden Tag steigen Laureno und Teresa zu Fuss zu ihren Feldern hoch -  Teresa auch mal auf dem Esel - um dort zu säen, Unkraut zu jäten, hacken und ernten. 

62 Jahre alt ist der Gemüsebauer aus dem Dorf San Jeronimo de Surco  und seit 20 Jahren setzen er und seine Frau Teresa auf Bio.  Eine Nicht-Regierungsorganisation hatte damals den ökologischen Anbau in den Dörfern der "Sierra Central", rund 2 Stunden von der Hauptstadt Lima entfernt, propagiert. Bei Laureano Casas stiess diese Botschaft auf offene Ohren, "ich hatte immer viel gelesen, wollte Neues ausprobieren", erzählt der schlaksige hochgewachsene Mann. Das Neue hiess, auf die Schädlingsvertilgungsmittel zu verzichten. Zuerst war es schwierig Abnehmer zu finden, die Familie mit ihren vier Kindern konnte mehr schlecht als recht vom ökologischen Gemüseanbau leben. Bis im Jahr 2001 ein paar Produzenten begannen im reichen Stadtteil Miraflores in Lima jeden Samstag Bioprodukte auf einem eigenen Bio-Markt zu verkaufen. Schnell entwickelte sich der Markt zum Anziehungspunkt für alternativ lebende Peruaner ebenso wie für die vielen in Miraflores lebenden Ausländer. Heute bauen Lareano und Teresa Casas auf 13 Hektar - verteilt auf unzählige kleine Terrassenfelder - nicht nur Gemüse, sondern auch Obst an : Äpfel. Chirimoya, Avocado. "Wir können die Nachfrage gar nicht bedienen", erzählt Laureano, "um 11 Uhr morgens haben wir manchmal schon keine Ware mehr". Warum dann nicht mehr anbauen ? Das Problem sind die Arbeitskräfte. Auch bei guter ortsüblicher Bezahlung (10-15 Euro Tageslohn) für Landarbeiter, scheuen die meisten Jugendlichen die anstrengende Arbeit im Freien. Sie waschen lieber - selbst für weniger Geld - Lastwagen oder arbeiten am Verkaufsstand an der Landstrasse.
Jimmy, der Sohn von Laureano und Teresa, dagegen findet Freude an der Landwirtschaft. Er und seine Freundin werden den Betrieb der Eltern übernehmen. Vor kurzem hat er in einen kleinen Laster investiert, damit kann er die Ware - die sie auf mehreren Eseln jeden Freitag und Samstag abend ins Tal herunterbringen - selber nach Lima fahren und auch Frachtdienste für andere Gemüsebauern übernehmen.

Noch ist Biogemüse und -obst in Lima ein Nischenprodukt, aber angesichts des steigenden Einkommens der Städter tritt auch das Bedürfnis nicht nur nach genügend sondern auch gesunder Nahrung ins Bewusstsein von immer mehr Peruanern. Für Laureanos und Teresa Casas und ihre Familie hat sich die Entscheidung für ökologischen Landbau gelohnt - in 20 Jahren konnten sie ihr Einkommen mindestens vedoppeln.