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sábado, 11 de mayo de 2013

Alasitas - schöne indigene Welt

Die Stände bieten  feil, was das Herz begehrt: Häuser in allen Bauphasen, vom Rohbau bis zu mehrstöckigen Geschäftshaus mit Spiegelglasfassade und Friseursalon, Autos (besonders beliebt: Pick-ups mit Vierradantrieb), ein Topf mit Goldtalern, Abschlussurkunden der renommiertesten Universitäten, Reisepaesse, und dazwischen immer wieder Bündel von Geld, Geld, Geld.Die Menschen drängen an die Verkaufsstände, besonders beliebt sind Geldscheine und Universtätstitel. All die Artikel gibt es als Miniaturen auf dem Jahrmarkt “Alasitas” in Puno zu kaufen. Mit dem Kauf alleine ist es jedoch nicht getan. Nur wenn man daran glaubt ,  wird der  Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen. Die Verkäuferinnen segnen das gekaufte Kleinod über dem Weihrauch mit ein paar Aymara-Worten, besprengen es mit billigem Wein, schütten gelbes Konfetti dazu und überreichen es Dir in der unvermeidlichen Plastiktüte. Danach bringen viele das Gekaufte nochmal in die nahegelegene Kapelle, um es auch vom katholischen Priester segnen lassen. Doppelt genäht hält besser.  Jedes Jahr Anfang Mai wird im peruanischen Puno der Jahrmarkt der Wünsche abgehalten, “Alasitas” genannt, und es herrscht kein Zweifel daran, dass die Menschen in Puno – wie auch im benachbarten Bolivien, wo das “Alasitas” ebenfalls intensiv gefeiert wird – fest an dessen Wirksamkeit  glauben. Ganze Familien scharen sich mit ihren Miniatur-Käufen um die Yatiris, die indigenen Priester, die an Alasitas das Geschäft des Jahres machen. Die Bezahlung darf dann auch gerne in einem Kasten Bier bestehen, mit dem das Gekaufte besprengt und gesegnet wird – zuvor wird der Mutter Erde, der Pachamama, ihr Schluck Bier gegeben, so will es der Brauch.
 
 
Ach die Pachamama! So oft zitiert in den Schriften über die andine Kosmovision vom Guten Leben, der zufolge der Mensch in Einklang mit der Natur lebt, im Gegensatz zu unserer westlichen Zivilisation, die alle mit Wohlstandsmüll überschüttet.  Die Pachamama ist an Alasitas so wenig zu finden, wie eine “Pituca” aus dem Limaer Nobelviertel San Isidro, wo das Indigene höchstens im von Gaston Acurio veredelten Speisegericht goutiert wird.
Ein paar Schritte neben den Ständen stirbt der Titicaca-See an ungeklärt eingelassenen Abwaessern  der Stadt Puno oder an der toxischen Arsen-Cadmium-Quecksilber-Mischung, die illegale Bergleute flussaufwärts ins Wasser schütten. Der Titicaca-See war 2012 zum bedrohten See des Jahres ernannt worden. Die Menschen in Puno scheint das nicht zu stören: kein einziger Wunsch ist zu kaufen, der die Heilung der Umwelt zum Thema hat. Stattdessen Geld, Gold, Waschmaschine, Haus und Auto. Das ist Gutes Leben. In Puno wie anderswo auch.
 
Die indigene Vision vom Guten Leben sei den Bolivianern und Peruanern,  von aussen aufoktroyiert worden. Die sogenannte andine Kosmovision würde vor allem den Projektionen der westlichen Wohlstandsgesellschaften entspringen, mehr als der tatsächlichen andinen Welt. Die sei in ihrer harten Natur nämlich nie komplementär oder harmonisch gewesen, sondern mit ihren wiederkehrenden Dürren verdammt hart. Und dass das komplementäre Zusammenleben von Frau und Mann auch in den Anden nicht funktioniert, zeigten nur schon die schreiend hohen Ziffern häuslicher Gewalt.  Das schreibt der Bolivianer Carlos Macusaya in der Zeitschrift Pukara (http://www.periodicopukara.com/archivos/pukara-81.pdf)
Sollte es tatsächlich so sein, dass ein Bewusstsein für das gemeinsame Gut “Umwelt” erst dann wachsen kann, wenn die grundlegenden materiellen Bedürfnisse gedeckt sind ? Und zu letzteren gehören, wenn man den Alasitas-Markt interpretiert, auch in den Anden ein Haus, Waschmaschine, Geld und  – die deutschen Autobauer wird´s freuen – ein eigenes Auto.
Die Utopie eines anderen, weniger materiellen, zukunftgerichteten und umweltschonenden Lebensstils ohne Wirtschaftswachstum wird wohl nicht aus den Anden kommen. Diese Utopie werden sich die Europäer  selber mühsam schaffen müssen.

lunes, 21 de noviembre de 2011

Ein gutes Leben, nicht ein besseres

Der Riss geht mitten durch Länder, Regierungen, Indigena-Gemeinschaften: bedeutet gutes, erstrebenswertes Leben, eine bessere Strasse zu haben und dafür Wald zu opfern ? Oder bedeutet gutes Leben den Wald zu erhalten und dafür einen Umweg in Kauf zu nehmen? In Bolivien ist die Frage zuerst mal zugunsten des Waldes entschieden. Staatspräsident Evo Morales musste aufgrund der Proteste den geplanten Bau der Strasse durch den Nationalpark Tipnis absagen.
Eine aus ihrer Spur geratene Moderne hat die westliche Zivilisation an ihre Grenzen geführt, sagt Josef Estermann, ein in Bolivien lebender Schweizer Philosoph. Er sieht in der andinen Philosophie, der „Pachasofia“, eine Korrektur zur übermächtigen westlichen Denkart. Der Mensch ist in der Kosmovision der andinen Völker nicht als Individuum, sondern nur in Beziehung zu anderen und zur Natur zu denken. Das andine „Buen Vivir“ hat als eigener Massstab für Entwicklung Einzug in die Verfassungen von Bolivien und Ecuador gehalten. In der Praxis stehen sich aber auch in Bolivien moderne und indigene Vorstellungen des „Guten Lebens“ gegenüber, wie das Beispiel des Tipnis-Nationalparks zeigt.
Wenn Vicente Alanoca vom „Guten Leben“ spricht, leuchten seine Augen. Er erzählt davon, wie in seinem Dorf am Titicaca-See alle Bewohner bei gemeinsamen Arbeiten oder Feiern mitmachen, niemand aussen vor bleibt. Wie auch noch die kleinste Kartoffel wertgeschätzt wird, denn „sie weint, wenn Du sie wegschmeisst“. Wie ihm als kleinen Jungen behutsam beigebracht wurde, die Natur, die Mutter Erde, zu schützen. Vicente Alanoca ist Ethnologe und selber Aymara. Er ist Bürgermeister in dem Dorf, in dem er geboren wurde. Das Gute Leben, das „Sumaq Jakanha“, wie es in Aymara heisst, hat aber auch mit dem Aufrechten Gang, mit einem Leben in Würde zu tun. Diese Würde wurde wurde den Indigenas 500 Jahre lang genommen, die Erinnerung daran ist noch sehr lebendig.
Werteentwicklung in den Großstädten
Taugen die andinen Vorschläge des „Guten Lebens“, die ihren Sitz im Landleben der Anden haben, auch für die Stadt ? Oder ist es etwa eine Romantisierung des ländlichen Lebens derer, die das Landleben geniessen, weil sie nach ein paar Tagen wieder in die Annehmlichkeiten der modernen Stadt zurückkehren ?
José Carlos Silva lebt in der Millionenstadt Lima. Der Volkswirt von der Universidad Ruiz de Montoya erntet keine Kartoffeln, hat aber sehr wohl eine Vorstellung, wie man in Lima gut lebt. Zum Beispiel, in dem er seine Wege mit dem Fahrrad zurücklegt. Oder indem er mit anderen in einer Wohngemeinschaft leben und damit Raum spart und Beziehungen lebt. Im wachstumsverrückten Peru schwimmt José Carlos Silva damit gegen den Strom, noch. „ Wir haben nicht nur materielle Bedürfnisse, sondern auch immaterielle Bedürfnisse, wie Zuneigung, Geselligkeit, Spiritualität, Musse – all das wird vom Markt nicht gedeckt“ , sagt der Ökonom.
In Peru macht sich die Auseinandersetzung zwischen den Entwicklungsmodellen vor allem am Gold fest. Mehr als die Hälfte der steigenden Staatseinnahmen kommen aus dem Goldexport. Präsident Humala will damit sein ehrgeiziges Sozialprogramm finanzieren. Der Preis dafür sind verschandelte Landschaften, tote Flüsse, zerstrittene Dorfgemeinschaften. Viele betroffene Dorfgemeinschaften protestieren deswegen gegen den Goldabbau. „Wir wollen beides, Gold und Wasser“, sagte Präsident Ollanta Humala dazu im peruanischen Fernsehen. „Und dass ein technologisch sauberer Bergbau möglich sei“.
Ressource Wasser
Vicente Alanoca, José Carlos Silva und Josef Estermann, alle drei Referenten bei einer Veranstaltung der Universität Ruiz de Montoya in Lima, stimmen überein, dass dies eine Illusion sein könnte. „An Mangel an Gold ist noch niemand gestorben“, sagt Vicente Alanoca, „wohl aber daran, dass es kein Wasser mehr gab“. José Carlos Silva hat einen viel radikaleren Vorschlag: anstatt das Gold in umweltschädigenden Verfahren aus der Erde zu holen, damit es letztlich wieder in einem Banktresor in der Schweiz landet, könnte man es in der Erde lassen, und die Investoren könnten eine Aktie des Fundortes kaufen. „Der Berg ist ein viel sicherer Ort für Gold als jeder Tresor“.
( Quelle: www.blickpunkt-lateinamerika.de)