lunes, 9 de mayo de 2011

De Soto-Plag

("Glaubt mir, ich würde nie für Keiko arbeiten, wenn sie keine Demokratin wäre. Der Beweis ist, dass ich nur für demokratische Präsidenten gearbeitet habe, wie Keikos Vater, Mubarak und Gadaffi" - Karikatur von Carlin in "La República")

Auch Peru hat seinen Plagiatsskandal: der nach Mario Vargas Llosa wohl berühmteste lebende Peruaner, der Wirtschaftswissenschaftler Hernán de Soto, soll von seinem Doktoranden Michael Coppedge abgeschrieben haben. Das behauptet Gustavo Gorriti, einer der bekanntesten investigativen Journalisten Perus (http://idl-reporteros.pe/2011/04/28/calco-y-copia/).

Das Delikt geschah vor fast 20 Jahren. Der Verfasser der Bestseller "Der andere Weg" und "Das Mysterium des Kapitals" war damals Berater des frisch gewählten Präsidenten Alberto Fujimori. Dieser hatte keine Mehrheit im Kongress und löste das Parlament deshalb am 5. April 1992 kurzerhand auf. Eine Mehrheit der Peruaner fand diesen "autogolpe" (Selbst-Putsch) damals nicht besonders schlimm, die Reaktionen aus dem Ausland fielen umso heftiger aus. Die Gemeinschaft der Amerikanischen Staaten (OAS) rügte die Selbstermächtigung Fujimori und zitierte ihn auf die Versammlung der Aussenminister auf die Bahamas. Dort las Fujimori minutenlang eine Diatribe gegen die "Partidocracia", die zur Parteienklüngelei verkommene Demokratie, um die Auflösung des Parlaments zu rechtfertigen und kündigte eine verfassungsgebende Versammlung an. Geschrieben hatte ihm die Rede sein damaliger Chefberater, Hernan de Soto. Der wiederum sagt, er habe ganz legal Aufträge für das Verfassen der Rede vergeben, u.a. auch an den Politikwissenschaftler Michael Coppedge

Der heute an der Universität von Notre Dame in den USA lehrende Michael Coppedge bestreitet dies. Er habe zwar einen Auftragsstudie für de Soto gemacht, die Rede
Fujimoris vor der OAS stamme aber nicht aus dieser Studie, sondern aus seiner Dissertation über das Parteiensystem in Venezuela. " Es ist ein offensichtlichtes Plagiat", sagt Coppedge heute gegenüber IDL-Reporteros. " Am schlimmsten ist, dass ich ausdrücklich gesagt hatte, dass der Fall Peru ganz anders gelagert ist als der Fall Venezuela".

Nun würde dieses 20 Jahre alte Plagiat nicht plötzlich aus der Schublade gezogen, wenn es nicht im jetzigen Wahlkampf politische Brisanz entfalten könnte. Die Kandidatin Keiko Fujimori, Tochter eben des Alberto Fujimori, muss die bürgerliche Mitte von ihrem Programm überzeugen und hat deshalb Hernan de Soto als Chefberater für die Stichwahl angeheuert. Der verliess stante pede seinen momentanen Arbeitsort in der Mongolei, um dem Ruf Keikos zu folgen.

Hernan de Soto ist ein hoch geschätzter Berater in der Armutsbekämpfung. Er propagiert weltweit sein Allheilmittel gegen die Armut - nämlich, das illegale Land, auf dem die Armen wohnen, zu legalisieren und damit Kreditwürdigkeit zu erlangen - und wird von verschiedensten Regierungen beauftragt, Programme zur Armutsbekämpfung auszuarbeiten. Heikel ist er bei seinen Auftraggebern dabei nicht: bis vor kurzem gehörte auch der Lybier Gaddafi zu seinen Klienten.

Gustavo Gorriti wiederum hat als erster die korrupten Machenschaften des Fujimori-Regimes aufgedeckt und wurde deswegen kurze Zeit entführt und musste in den 90-er Jahren ins Exil gehen. Vor zwei Jahren führte seine Aussage vor Gericht mit zur Verurteilung von Alberto Fujimori, der heute eine 25-jährige Haftstrafe absitzt. Heute macht Gorriti offen Werbung für Keiko Fujimoris Konkurrenten um die Präsidentschaft, Ollanta Humala.

Das angebliche Plagiat de Sotos wird wohl eine Fussnote im peruanischen Wahlkampf bleiben. Im Gegensatz zu Deutschland, stürzt man mit einem Abschreibe-Skandal hier keine Minister und kratzt kaum am Image eines weltberühmten Wirtschaftswissenschaftlers. Der möchte seine Armutsrezeptur "Titulierung" auch für die Terrorismusbekämpfung anbieten: Bin Laden konnte nur geschnappt werden, so Hernán de Soto kürzlich im peruanischen Fernsehen, weil er in einem offiziell registrierten Haus gewohnt habe und nicht in einer nicht titulierten Höhle.



martes, 12 de abril de 2011

Wahlen 10: Ollanta und Keiko in der Stichwahl

Ollanta Humala und Keiko Fujimori in der Stichwahl

Keiko Fujimori / Conreso de la Rep. del Peru, Flickr

Noch vor einer Woche haben 41 Prozent der Peruaner in einer Wahlumfrage angegeben, sie würden nie für Ollanta Humala stimmen. 40 Prozent gaben an, auf gar keinen Fall ihre Stimme Keiko Fujimori zu geben. Die Prinzipienfestigkeit der Peruaner wird mit dem Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag nun auf die Probe gestellt. Denn der ehemalige Offizier Ollanta Humala und die Autokraten-Tochter Keiko Fujimori haben die erste Wahlrunde gewonnen und werden sich am 5. Juni bei der Stichwahl gegenüberstehen.

Bei 88 Prozent der ausgezählten Stimmen hat Ollanta Humala 31,5 Prozent und Keiko Fujimori 23,28 Prozent erhalten. Der drittplazierte Pedro Pablo Kuczynski hat 18,9 Prozent der Stimmen auf sich versammelt und kann Keiko Fujimori den zweiten Platz nicht mehr streitig machen.

Wahl zwischen „Krebs und Aids“

Damit haben die Peruaner nun die Entscheidung zwischen „Krebs“ und „Aids“, wie ihr frischgekürter Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa vor der Wahl befürchtete. Warum ? Der 48-jährige Ollanta Humala war bereits vor 5 Jahren dem nun scheidenden Präsidenten Alan García in der Stichwahl nur knapp unterlegen. Damals zeigte sich Ollanta Humala noch im roten T-Shirt und zelebrierte seine Nähe zum venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und dessen Modell eines bolivarianischen Sozialismus für ganz Lateinamerika.

Obwohl Humala sich heute nur noch in Anzug und Krawatte zeigt, sich jede Einmischung von Hugo Chávez verbittet und die Nähe zum beliebten ehemaligen Präsidenten Brasiliens Lula sucht, befürchtet eine große Zahl von Peruanern weiterhin, dass mit Humala auch Chávez in den Regierungspalast einziehen und das in ihren Augen so erfolgreiche wirtschaftsliberale Modell ändern wurde.

Dank einer investitionsfreundlichen Politik und der weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen, verzeichnet die peruanische Volkswirtschaft ein stetiges Wachstum seit zehn Jahren.

Rückkehr der Korruption

Die Bedenken gegen die 36-jährige Keiko Fujimori richten sich gegen die Tochter ihres Vaters. Alberto Fujimori hat Peru von 1990 – 2000 regiert und sitzt heute wegen Vergehen gegen die Menschenrechte im Gefängnis in Lima.

Dies ficht jedoch viele Peruaner nicht an, die Fujimori den Sieg über den Terrorismus zu Gute halten. Dank einer guten Kampagne und ihrem Auftreten als loyale Tochter und junge Familienfrau konnte sich Keiko den zweiten Platz sichern.

Für viele Peruaner jedoch steht Keiko Fujimori für eine Amnestie ihres rechtskräftig verurteilten Vaters und für die Rückkehr der mafiösen Korruption in die Regierung.

Wirtschaftsaufschwung nicht angekommen

Der Wahlausgang vom Sonntag zeigt zum einen, dass der von der García-Regierung allenthalben verkündete Wirtschaftsaufschwung bei einem erheblichen Teil der Bevölkerung nicht angekommen ist. Dies geben auch die drei bürgerlich-liberalen Kandidaten Pedro Pablo Kuczynski, Alejandro Toledo und Luis Castaneda zu. Sie gehören zu den großen Verlieren dieser Wahlen, obwohl dank ihrer Wirtschaftspolitik Peru heute in Business-Kreisen zu den Top-Performern zählt.

Der Blogger Marco Sifuentes gibt noch eine andere Erklärung für den überraschenden Wahlausgang: Die García-Regierung habe Wirtschaftswachstum einfach mit Entwicklung gleichgesetzt. „ Mehr Handys, mehr Einkaufszentren, mehr SUV-Autos ersetzen nicht mehr und bessere Schulen, Gesundheitsposten und soziale Gerechtigkeit”.

Bürgerliche Mitte umwerben

Für die Wahl am 5. Juni werden sowohl Humala als auch Fujimori alles dransetzen, die bürgerliche Mitte Perus zu umwerben. Trotz moderater Diskurse von Seiten der Kandidaten ist zu befürchten, dass der Wahlkampf mit äußerst harten Bandagen geführt werden wird. Sowohl Humala wie auch Fujimori haben erbitterte Gegner.

Schriftsteller Mario Vargas Llosa hat inzwischen eine neue Metapher angeboten, die auch noch Raum für ein wenig Hoffnung lässt. Peru habe die Wahl, so sagte er der spanischen Tageszeitung „Vanguardia“ , entweder Selbstmord zu begehen oder auf ein Wunder zu hoffe.

(Quelle: www.blickpunkt-lateinamerika.de)

sábado, 9 de abril de 2011

Wahlen (9): China, Cholo, Comandante, Gringo - wie kulturelle Stereotypen den Wahlkampf prägen


Wen die Peruaner lieben, den nennen sie bei Vornamen oder geben ihm oder ihr einen Spitznamen. Damit ist man sozusagen in die Familie aufgenommen, im Guten wie im Schlechten. Oft verweisen die Spitznamen auf kulturelle Stereotypen, die im multikulturellen Peru äusserst vielschichtig und dynamisch sind. Die vier aussichtsreichsten Kandidaten für die morgigen Wahlen sind von den Peruanern deswegen längst "getaggt" worden: Comandate, Cholo, China, Gringo.

Schauen wir uns an, wie die Kandidaten diese Stereotypen bewusst einsetzen oder aber sich dagegen wehren.



El "Comandante" Ollanta Humala:

Der Übername "Comandante" rührt von der militärischen Vergangenheit Humalas und erinnert positiv an seinen Putschversuch gegen den in den letzten politischen Zügen liegenden Alberto Fujimori. Vor allem die Wähler in den ländlichen Gegenden wählen Humala eben deswegen: weil sie sich von ihm die Regierung der festen Hand erhoffen, die gegen Schlendrian, Korruption und sonstige Übel vorgeht. Im negativen jedoch erinnert "Comandante" an den karibischen Gevatter Hugo Chávez und unzählige Militärdiktatoren in der peruanischen Geschichte. Und von dem will und muss sich Humala unbedingt absetzen, will er in Peru gewinnen. Seine gesamte Wahlkampfstrategie fusste also darauf, sich vom "Comandante" Image zu befreien und sich als peruanischer Lula zu präsentieren. Bisher hat diese Strategie, auch dank Beratern der brasilianischen Arbeiterpartei, hervorragend funktioniert: Humala liegt in den Umfragen weit vorn und scheint den Einzug in die zweite Runde sicher zu haben. Dementsprechend gelassen zeigt er sich in der letzten Pressekonferenz vor der Auslandspresse. Wie immer im tadellosen dunkelblauen Anzug, nur Böswillige würden die tiefrote Krawatte als Ausdruck einer politischen Gesinnung missverstehen. Ob der "Comandante" in der Stichwahl wieder zum Vorschein kommen wird ? Oder ob ihm die Peruaner bis dahin einen neuen Übernamen gefunden haben ? Davon könnte sein Wahlerfolg am 5. Juni abhängen.

Der "Gringo" Pedro Pablo Kuczynski (PPK):

PPK steht vor dem gleichen Problem wie Ollanta Humala: sein Gringo-Typ ist Segen und Fluch zugleich, will er peruanischer Präsident werden. Die wirtschaftsliberale, gut ausgebildete Oberschicht wählt ihn gerade deswegen. Sie sieht im "Gringo" den Pragmatiker, den Technokraten mit besten Beziehungen zur globalen Wirtschaftselite, den das Land ihrer Meinung nach braucht. Aber in Peru gewinnt man keine Wahlen mit der dünn gestreuten Oberschicht. Und im Volksmund ist ein "Gringo" ein Fremder, niemandem, dem man seine Frau, sein Haus oder gar sein Land anvertrauen würde. Deswegen tut PPK alles, um sein "Gringo"-Image abzuschütteln. Nun kann Ollanta Humala einfach seine Uniform ausziehen, und hoffen, dass die Leute irgendwann mal vergessen, dass er Offizier war. Aber wie soll PPK mit seinen über 1 Meter 80 und seiner weissen Hautfarbe seine Herkunft vergessen lassen ? Aus diesem Grund ist die Kampagne PPKs diejenige mit den volkstümlichsten Symbolen. Alle Banner sind in schreienden Pink-Grün-Rot-Farben gehalten, die gleichen Farben mit denen informelle Geschäfte in den Vorstädten ihre Waren anbieten. Sein Maskottchen ist ein Meerschweinchen, Delikatesse der Bergbewohner, im spanischen "Cuy" genannt. Als "PPKuys" verkleidete Werbeträger verteilen Plüsch-Cuys. Und deswegen lässt sich PPK auch ungeniert an seine Weichteile fassen (siehe vorherigen Eintrag). Ein Gringo wird er für die Peruaner immer bleiben, aber je mehr sie ihn als einen der ihren ansehen, desto mehr steigen seine Wahlchancen.
An der letzten Pressekonferenz vor den Wahlen gibt er sich siegessicher. Eben hat er den Rückhalt der regierenden Apra-Partei zugesagt bekommen. Dafür hat er Alejandro Toledo mit seinem Vorschlag einer breiten demokratischen Front eine Absage erteilt.

La "china" Keiko Fujimori

Bei Keiko spielt ihre ethnische Zugehörigkeit keine Rolle. "China" ist sie nicht wegen der japanischen Abstammung ihrer Eltern, sondern weil sie die Tochter des "Chino" ist. Und el "Chino" ist in Peru nur einer, nämlich Alberto Fujimori.
Im Gegensatz zu Humala oder PPK will Keiko nur die sein, die sie immer war: die gute Tochter. Mit dieser Wahlstrategie fährt sie bestens. Für die Anhänger ihres Vaters verkörpert sie die Politik der festen Hand - und buhlt damit um die gleiche Wählerschaft wie der "Comandante" Humala, der eigentlich keiner mehr sein will.
Zugleich spielt Keiko geschickt auf der Klaviatur der jungen Mutter und Ehefrau. Die rundliche 36-jährige verkörpert so in ihren Worten die harte Hand ihres Vaters, wie auch die Mutter, die sich um ihre Kinder (sprich das Volk) sorgt. Die Strategie geht auf. Einige Umfragen sehen Keiko als Zweitplazierte hinter Humala. Als einzige der vier Kandidaten gab sie gestern keine Konferenz für die Auslandspresse. Bei der liberal-bürgerlichen Auslandspresse, so nimmt sie wohl richtigerweise an, kann sie sowieso nicht punkten. Bei ihren Landsleuten dagegen sehr.

Der "Cholo" Alejandro Toledo

2001 hat Alejandro Toledo die Wahl gewonnen, weil er seine indianische Herkunft als "Cholo" ganz bewusst eingesetzt hat. Geschätzte 80% der Peruaner dürften "Cholos" sein, also mehr oder weniger indianische Wurzeln haben und sich dementsprechend als "Underdogs" in der peruanischen Gesellschaft fühlen. Als "Cholo aus Harvard " verkörperte Toledo den Traum vieler Peruaner auf gesellschaftlichen Aufstieg durch Bildung. In den diesjährigen Wahlen trat er zuerst als Favorit an und muss nun um den Einzug in die Stichwahl-Runde bangen. Für viele Wähler sind die inhaltlichen Unterschiede zwischen Toledo und seinem früheren Premierminister Kuczynski nicht klar erkennbar. Toledo hat bisher vielleicht zu wenig auf sein positiv besetztes "Cholo" Image gesetzt. In seiner Abschlusskundgebung blitzte der alte "Cholo" Toledo wieder auf. Wenn die Demokratie in Peru gefährdet sei, dann würde er sich wieder seine "vincha", das Indio-Stirnband, anziehen und die Proteste anführen, wie damals gegen Fujimori. In solchen Momenten glaubt man dem "Cholo" und man könnte fast meinen, da sei ein Inka wieder auferstanden, um gegen die Conquista zu Felde zu ziehen. Mal schauen, ob es ihm am Sonntag reichen wird.


Wahlen im Macholand (8): Ist ein Gringo Mann´s genug Peruaner(innen) zu regieren ?

Am 1. April stellte das Ehrentribunal der obersten peruanischen Wahlbehörde (JNE) folgendes klar: es läge kein Beweis dafür vor, dass sich der Präsidentschaftskandidat Pedro Pablo Kuczynski (PPK) aus wahlkampftaktischen Gründen unsittlich betasten habe lassen. Das Ehrentribunal ermahnte des weiteren die Bevölkerung, seinen Kandidaten aufs höchste Amt im Staat den gebührenden Respekt zu erweisen.

Ein peruanischer Aprilscherz ? Weit gefehlt!

Das unziemliche Ereignis geschah Ende Februar. Der "Gringo" Kandidat PPK - ein 73-jähriger Peruaner europäischer Abstammung und US-amerikanischer Doppelbürger - hatte gerade eine Wahlkampfveranstaltung in der Hafenstadt Callao hinter sich und begab sich in die Volksmenge. Eine schon etwas ältere Frau mit Baselball-Mütze näherte sich ihm und fasste ihm an seine besten Teile, angeblich ein Zeichen ihrer Wertschätzung und, wie sie später sagte, weil sie fühlen wollte, wie es bei einem Gringo unten herum bestellt sei. PPK lächelte dazu und nahm die Sache mit Humor. Zufällig (?) war eine Kamera zugegen, am nächsten Tag war die "Tocada" PPKs Schlagzeile in allen Medien. Und der damals noch bei 6% der Wählerstimmen herumdümpelnde PPK machte einen Sprung in der Beliebtheitsskala. Seine Umfragewerte stiegen in den zweistelligen Bereich.

Alles Wahlkampfstrategie, witterte ein Kandidat der Opposition und zeigte PPK wegen der Verwendung unsittlicher Mittel bei der obersten Wahlbehörde an. Woraufhin das Ehrentribunal sich gezwungen sah, obiges Urteil zu sprechen.

PPK jedoch dürfte die beabsichtigte oder unbeabsichtigte "Tocada" mehr Wähler eingebracht haben als alle seine gesetzten Redebeiträge zusammen.

viernes, 8 de abril de 2011

Wahlen 7: Keine grüne Überraschung

Keine grüne Überraschung im Wahlkampf

Peruanischer Wald / Emmanuel Dyan, Flickr

Im Gegensatz zu Brasilien und Kolumbien sind „grüne Themen“ in Peru kaum ein Thema. Dabei ist das Land ganz besonders vom Klimawandel und den negativen Folgen des ungezügelten Abbaus natürlicher Ressourcen betroffen.

Wenn ein Volk um die Tücken der Natur weiß, dann sollten es die Peruaner sein: Erdstöße und Erdbeben gehören zum Alltag; alle paar Jahre wird die Küstenregion vom Klimaphänomen des „Niño“ heimgesucht, und auf 4000 Meter sterben jedes Jahr Kleinkinder ob einer Kältewelle.

In Peru stehen 70 Prozent der Tropengletscher, die am Abschmelzen sind. Und entweder es fällt zuviel Regen, wie jetzt gerade im Amazonasgebiet, wo Teile unter Wasser stehen. Oder es herrscht Trockenheit und nicht mal die heimischen Schamanan vermögen den Regen herbeizubeten, wie jetzt gerade in den nördlichen Küstengebieten.

„Aufgrund seiner geographische Gegebenheiten gehört Peru zu den Ländern, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind“, sagt Rocío Valdeavellano von der Bürgerbewegung „Mocicc“, die sich mit den Folgen des Klimwandels auseinandersetzt.

Keine Stimmen zu gewinnen

Bei den am Sonntag stattfindenden Präsidentschaftswahlen ist der Klimawandel dennoch kein Thema. „Die Kandidaten sehen, dass es ein komplexes Thema ist, mit dem sie keine Stimmen gewinnen können“, erklärt Valdeavellano das Fehlen der Umweltpolitik in der öffentlichen Debatte. Zwar hätten die Präsidentschaftskandidaten diesbezüglich ein paar Vorschläge in ihr Wahlprogramm aufgenommen, wie die Wasserbewirtschaftung nach Einzugsgebieten. „Aber darüber, ob sie deswegen Bergbaukonzessionen in Quellgebieten aussetzen, haben sie nichts gesagt“, moniert Valdeavellano.

Bewegung „Tierra y Libertad“

Eine grüne Überraschung wie letztes Jahr bei den Präsidentschaftswahlen in Brasilien, als Marina Silva viele Stimmen bei der jungen urbanen Mittelschicht holte, wird in Peru wohl ausbleiben. Die politische Bewegung, die im peruanischen Parteienspektrum am ehesten als Grüne Partei in Frage kommen würde, ist die Bewegung „Tierra y Libertad“ . Ihr Präsident Marco Arana ist ein bekannter Bergbaukritiker und Umweltpolitiker. Letztes Jahr hat er für sein Engagement den Aachener Friedenspreis verliehen bekommen. Für die Registrierung seiner Gruppierung als politische Partei in Peru hat es jedoch nicht gereicht. Nachdem sich ein geplantes Wahlbündnis mit einer linken Partei zerschlagen hatte, erreichte „Tierra y Libertad“ nicht die erforderliche Zahl an Unterschriften, um mit einer eigenen Kandidatenliste am Wahlkampf teilnehmen zu können.

„Reichtümer nur rausholen“

Marco Aranas Sicht auf die umweltpolitischen Vorschläge der antretenden Kandidaten fällt nüchtern aus. „ Alle vertreten die Position, dass Peru ein reiches Bergbauland ist und man die Reichtümer nur rausholen muss“. Auch fehle es an institutionellen Mechanismen. Das vor zwei Jahren gegründete Umweltministerium sei schwach. Die Medien würden das ihre dazu tun, in dem sie nur punktuell über Naturkatastrophen berichten, aber ansonsten Umweltthemen außen vor ließen.

Keine Politische Plattform

„Es gibt zwar zunehmend Umweltgruppen in Peru, die sich lokaler Anliegen annehmen, aber sie haben noch keine nationale politische Plattform, und machen sich deshalb in gewaltsamen Zusammenstößen Luft“, analysiert Arana. Während er spricht, wartet er auf einen Anruf aus Mollendo im Süden Perus, wo der Protest der Bewohner gegen ein geplantes Kupferbergwerk soeben drei Menschenleben gekostet hat.

Rocío Valdeavellano von „Mocicc“, der Bürgerbewegung zum Klimawandel, sieht das ähnlich, die vorhandenen Gruppen seien nicht politisch vernetzt. Dennoch macht sie in der Stadt ein zunehmendes Interesse bei jungen Leuten an Umweltfragen aus. Nicht zuletzt zeigt sich das an der Kampagne „A votar en bici“, die von „Mocicc“ mitgetragen wird. Die Bürger, so der Aufruf, sollen ihr Auto zu Hause lassen und mit dem Fahrrad zum Wahllokal fahren.

(Quelle: www.blickpunkt-lateinamerika.de)

martes, 5 de abril de 2011

Wahlen 6: Die Peruaner und Hugo Chávez

Eine junge Leserin stellte mir die Frage, warum die Peruaner eine so grosse Abneigung gegenueber Hugo Chávez haben, wenn er doch sonst als Held präsentiert wird ?

Eine gute Frage. Nun ist mit Hugo Chávez heute kein grosser Staat mehr zu machen. Sein Status als Revolutionsheld a la Che Guevara verfällt immer mehr. Seit George W. Bush als hemdsärmliger Gegenspieler von der politischen Weltbühne abgetreten ist, steht Chávez heute ziemlich isoliert da als Haudegen mit diktatorischen Allüren in der politischen Landschaft Südamerikas. Seine Verbündeten sind zunehmend Diktatoren oder demokratisch gewählte Autokraten: Fidel Castro, Daniel Ortega, Gaddafi. Vor allem aber: Seinem Land, Venezuela, geht es trotz seines Ölreichtums, wirtschaftlich immer schlechter - nicht gerade ein Leistungsausweis für den bolivarianischen Sozialismus.

Dennoch ist die Frage der Leserin berechtigt, denn in Peru mochte man Hugo Chávez noch nie. Auch nicht zu den Zeiten, als der Bolivarianismus a la Chávez noch als hoffnungsvoller Gegenentwurf zum neoliberalen Washington-Consensus galt. Auch in Zeiten, in denen Chávez eine demokratische Wahl nach der anderen gewann - erwiesenermassen ohne Trickserei - sprach man in Peru schon vom "Diktator Chávez". Ich erinnere mich an die Schlagzeile der linken Tageszeitung "La República" im April 2002,nachdem Hugo Chávez für kurze Zeit von der Ultrarechten Venezuelas in einem Staatstreich abgesetzt wurde: "Cayó otro dictador", "Wieder ein Diktator gefallen".
Hugo Chávez war damals alles andere als ein Diktator, sondern ein Opfer eines Staatsstreiches. In Peru jedoch, noch berauscht vom eigenen Erfolgt den Fast-Diktator Alberto Fujimori durch friedliche Massenproteste abgesetzt zu haben, setzte man Hugo Chávez - willkürlich, unbewusst ? - mit Alberto Fujimori gleich. Die Anti-Chavisten aus Venezuela waren damals gern gesehene Gäste in peruanischen TV-Talkshows und die Putschisten gegen Cavez wurden dort als Helden der Demokratie gefeiert. Die Zivilgesellschaft , das waren in Peru damals die demokratisch und links Gesinnten , die gegen Alberto Fujimori auf die Strasse gingen. In Venezuela bezeichneten sich dagegen die dem rechten Langer angehörenden Anti-Chavisten auf der Strasse als Zivilgesellschaft. Die irrefürende Gleichung, dass Zivilgesellschaft gleich Zivilgesellschaft sei, dass die Bürgerbewegung gegen Alberto Fujimori verwandt sei mit der Bürgerbewegung gegen Hugo Chávez, wurde noch verstärkt, als der flüchtige peruanische Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos nach Monaten in Venezuela aufgespürt wurde. Bis heute nicht ganz klar ist, ob Montesinos Deckung von Hugo Chávez hatte.

Beides führte dazu, dass es in Peru seit Jahren nicht möglich ist, positiv von Hugo Chávez zu reden, ohne politischen Selbstmord zu begehen. Die Rechte mochte Hugo Chávez sowieso noch nie, aber auch die Linke vermochte nie einigermassen objektiv oder gelassen über Chávez zu reden.

Einige Peruaner würden vielleicht sagen, dass sie es damals schon spürten, dass der Hoffnungsträger Chávez zum Diktator mutieren würde. In meinen Augen zutreffender ist die Hypothese, dass die Zeitgleichheit vom Kampf gegen das autoritäre Regime des Alberto Fujimori und die Selbstinszenierung der protestierenden Anti-Chavistas als Zivilgesellschaft gegen ihr Regime zu einem Trugschluss führte.

Ollanta Humala hat das begriffen. Ein Bild wie vor 5 Jahren von Hugo Chávez und Ollanta Humala im freundlichen Einvernehmen wird es in diesem Wahlkamp nicht geben.

Wahlen Peru 5: Zeitlupenfinale in Lima

05.04.2011

Peru

Zeitlupenfinale in Lima

Machu Picchu / Wikipedia

Ein ehemaliger Präsident, der Premierminister dieses ehemaligen Präsidenten, die Tochter eines anderen Ex-Präsidenten, der inzwischen wegen Menschenrechtsvergehen im Gefängnis sitzt, ein ehemaliger Offizier, der einst gegen den nun einsitzenden Ex-Präsidenten putschte, sowie ein früherer Oberbürgermeister von Lima: diese Kandidaten stehen zur Auswahl bei den Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag in Peru. Nur zwei von ihnen werden es in die letzte Runde, zur Stichwahl am 5. Juni schaffen.

Aufstieg Humalas

Vor wenigen Wochen noch schien es, als ob der nächste peruanische Präsident auch der alte sein würde. Der 62-jährige Alejandro Toledo, der das Land von 2001 bis 2006 regierte, lag in der Wählergunst weit oben. Wenige Tage vor der Wahl am 10. April hat sich das Blatt gewendet. Der Linksnationalist Ollanta Humala führt mit 27% die Umfragen an, eng gefolgt von Keiko Fujimori, die Tochter des vormaligen Präsidenten Alberto Fujimori, Alejandro Toledo sowie sein früherer Premierminister Pedro Pablo Kucynski. Alle drei haben gute Chancen, in die zweite Wahlrunde am 5. Juni gegen den bisher führenden Ollanta Humala einzuziehen. Einzig der vorherige Oberbürgermeister von Lima, Luis Castanheda, scheint weiter abgefallen.

Alarmglocken beim Namen Hugo Chávez

Keiner der fünf Kandidaten ist neu im peruanischen Politikbetrieb. Dennoch hat der Aufstieg Humalas das politische Establishment durcheinandergewirbelt. Denn Ollanta Humala galt vor fünf Jahren, als er knapp dem scheidenden Präsidenten Alan García unterlag, als Günstling von Hugo Chávez. Und beim Namen Hugo Chávez läuten in Peru alle Alarmglocken. Denn das einstige Armenhaus Südamerikas gehört auch dank seiner nun 20 Jahre andauernden markt- und investitionsfreundlichen Politik zu den aufstrebenden Ländern Lateinamerikas.

Perus Wirtschaft ist seit zehn Jahren ständig gewachsen und wird heute in seiner Dynamik im gleichen Atemzug mit Brasilien genannt. Diese wirtschaftliche Erfolgsgeschichte möchten sich sowohl Alejandro Toledo, als auch der frühere Weltbankfunktionär und Investmentbanker Kuczynski wie auch Keiko Fujimori als politische Erbin ihres Vaters Alberto Fujimori auf die Fahnen schreiben.

Schattenseiten des Booms

Doch nun könnte es sein, dass ihnen Ollanta Humala den Rang abläuft. Der Aufstieg Ollanta Humalas steht für die Schattenseite dieses Wirtschaftsbooms, der auf dem Export von Edelmetallen sowie intensiv angebauten Agrarprodukten gründet. Die Armutsquote ist zwar in den vergangenen zehn Jahren von 50 Prozent auf ca. 35 Prozent gefallen, aber die Menschen in den ländlichen Gebieten haben wenig vom Aufschwung Perus profitiert.

Anzug statt rotes T-Shirt

Humala hat aus seinen Fehlern gelernt. Heute zeigt sich der ehemalige Offizier nicht mehr im roten T-Shirt sondern in Anzug und Krawatte. Er spricht von der Bedeutung der Auslandsinvestitionen und des Wirtschaftswachstums. Er sagt, wie wichtig das Unternehmertum sei, und dass sein Nationalismus ein rein kultureller sei, wie um jegliche Ähnlichkeit mit dem in Peru höchst unbeliebten venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez weit von sich zu weisen. Dennoch malen die politischen Gegner und die meisten Medien bereits das Gespenst des sozialistischen Chavismus in Peru an die Wand, das bei einem Sieg Humalas in Peru Einzug halten würde.

Die demokratische Mitte spaltet sich in Peru in die drei Kandidaten Toledo, Kuczynski und Castanheda auf, wobei Toledo eher dem Mitte-Links und Kuczynski und Castanheda dem Mitte-Rechts-Spektrum zugerechnet werden.

Von der Spaltung profitieren

Von dieser Spaltung könnte die 36-jährige Keiko Fujimori profitieren. Ihr Vater zeichnet zwar für den größten Korruptionsskandal der jüngsten peruanischen Geschichte verantwortlich und sitzt im Gefängnis , weil er Todesschwadronen auf Studenten schießen ließ. Für viele Peruaner zählt jedoch mehr, dass in seiner Präsidentschaft der Terrorismus des Leuchtenden Pfades besiegt wurde und dass er assistentialistische Sozialprogramme ins Leben rief.

Autorin: Hildegard Willer, Lima

(erschienen in: www.blickpunkt-lateinamerika.de)