viernes, 17 de febrero de 2012
domingo, 12 de febrero de 2012
Wenn Conga kommt, geht Humala
Gut 10 000 Bergbaugegner sind am Freitag, den 10. Februar durch Lima marschiert, um im Parlament zwei Gesetzesentwürfe abzugeben: einer soll den Bergbau in Wasserquellgebieten untersagen; der andere Bergbau mittels Zyanid und Quecksilber (was bei der momentanen Technologie einer de-facto-Einstellung des Bergbaus entsprechen würde). Das letzte Mal waren soviele Menschen Ende Mai 2011 auf den Strassen Limas, um gegen die Kandidatin Keiko Fujimori zu protestieren und für den Kandidaten Humala. Dieses Mal sind es Bergbaugegner aus ganz Peru, die ihre Forderungen auf die Strassen der Hauptstadt tragen.
Am Protestmarsch haben vor allem Bürgerinitiativen aus ganz Peru teilgenommen, die sich gegen Bergbauprojekte auf ihren Gebieten wehren. Konkreter Anlass für den Protestmarsch sind die Auseinandersetzungen um das geplante Goldabbauprojekt "Conga" in Cajamarca, im Norden Perus. In einem 10-tägigen Fussmarsch waren gut 500 Bauern aus Cajamarca nach Lima gekommen , um gegen das von der Regierung Humala unterstützte Projekt zu protestieren. Die Demonstration am Freitag war der Abschluss des "Marsches für das Wasser". Auslöser des Konfliktes um Conga ist nämlich die vorgesehene Zuschüttung von vier Bergseen und das unvollständige Umweltgutachten, das den Einfluss des 4 Mlliarden-Abbauprojektes auf die Wasserflüsse nicht untersucht.
Momentan sind die Arbeiten am Projekt suspendiert, die Regierung wartet auf ein hydrologisches Gutachten ausländischer Experten.
Ob und wie noch ein Dialog zwischen Regierung und Bergwerk einerseits, und den Bergbaugegnern andererseits zustande kommen kann, ist völlig offen. Präsident Ollanta Humala hat sich bisher nicht zum Protestmarsch geäussert. Vor 8 Monaten ist er , mit den Stimmen der Bergbaugegner, ins Amt gewählt worden. Heute protestieren seine Wähler gegen ihn. "Ollanta Verräter" oder "Mit einem Protestmarsch haben wir dich ins Amt gebracht, mit Protestmarsch holen wir Dich wieder raus" waren während des Marsches zu hören.
Die peruanische Hauptstadt-Presse hat den Erfolg des Protestmarsches in skandalöser Missachtung ihres journalistischen Auftrages fast vollständig ignoriert, sprach zum Teil von einigen wenigen Demonstranten und brachte statt dessen die neuesten Umfrageergebnisse, die Humala einen Beliebtheitszuwachs von 8% attestieren. Humalas Beliebtheit mag wohl gewachsen sein - aber nicht bei denen, die ihn gewählt haben.
Den Erfolg des Marsches kann vor allem Marco Arana und seine Partei "Tierra y Libertad" für sich verbuchen. Der suspendierte Priester konnte sich damit als ernst zu nehmender Oppositionspolitiker gegen Humala in Szene setzen. Im Auge behalten soll man auch, dass sich hier die Provinzen gegen die Hauptstadt Lima erheben, und die gewählten Regionalpräsidenten mehr Macht gewinnen.
(Die nachfolgenden Fotos sind von Kerstin Kastenholz)

domingo, 29 de enero de 2012
Peru/Schweiz
Humala - Neuer Shootingstar in Davos
Eines unterscheidet jedoch Humala von Lula. Ollanta Humala sieht sich selbst nicht als Linker, wie er vor kurzem in einem seiner seltenen Interviews verkündete. „Ich bin kein Linker, sondern ein Nationalist, dem es um die soziale Gerechtigkeit geht“, sagte Humala der spanischen Tageszeitung "El Pais". Aber auch mit der Rechten würde er sich nicht identifizieren. Dafür hat die Rechte umsomehr Gefallen an dem ehemaligen Bürgerschreck-Präsidenten gefunden.
Peru profitiert von Wirtschaftskrise der Anderen
Vor seiner Abstecher nach Davos, machte er in Madrid Station. Im wirtschaftlich darbenden Spanien war er heftig umworben von König, Präsident und Unternehmern. Denn der peruanische Präsident kommt dieses Mal nicht als Bittsteller, sondern als Vertreter eines aufstrebenden Landes. Die peruanische Zentralbank hat eben wieder einen Rekord an Devisenreserven bekannt gegeben und verkündet, sie sei gut gewappnet, falls die Eurokrise auch auf Lateinamerika überschwappen sollte. Das Wirtschaftswachstum variiert seit Jahren zwischen sieben und acht Prozent und soll im nächsten Jahr nur vier bis fünf Prozent betragen. Die Peruaner haben letztes Jahr, gleich nach den Kolumbianern, am meisten Neuautos in ganz Lateinamerika gekauft. „Wir hoffen, dass der Wind der Krise an uns vorbeiweht“, sagte Humala gönnerhaft in Spanien.
Wie kaum ein Land profitiert Peru von der Wirtschaftskrise der Anderen: Perus Kupfer wird in chinesischen Fabriken nachgefragt, und je mehr Dollars und Euros in die Krise geraten, desto mehr gieren die Anleger nach peruanischem Gold. Wichtigste Handelspartner Perus sind heute China, wegen der Metallexporte, und die kleine Schweiz wegen der Goldexporte, die zumindest über Schweizer Bilanzen laufen. Kein Wunder, dass Humala seinen Besuch in Brüssel auf März verschoben hat – der Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union kann angesichts der gut laufenden Geschäfte warten.
Hohe Rohstoffpreise bringen Geld und Konflikte
Peru möchte Investitionen, aber nicht irgendwelche. Humala weist immer wieder darauf hin, dass Peru Technologietransfer braucht, damit es nicht im Rohstoffexport stecken bleibt. Denn obwohl die hohen Rohstoffpreise Humalas Regierung das Geld einbringen, damit er seine versprochenen Sozialprogramme umsetzen kann, so sorgen sie zu Hause in Peru auch für anhaltende Konflikte.
„Conga“ heisst das Goldabbauprojekt, das Humala schon einige schlaflose Nächte bereitet haben dürfte. Der Regionalpräsident von Cajamarca sowie eine breite Bürger- und Bauerninitaitive stellt sich gegen die bereits genehmigte Erweiterung der grössten Goldmine Südamerikas, Yanacocha. Ein internationales Expertenteam soll nun innerhalb von 40 Tagen feststellen, ob die beabsichtigte Mine tatsächlich den Bauern und Bewohnern der Stadt Cajamarca das Wasser abgraben wird. Die Bergbau-Gegner aus Cajamarca befürchten , dass das neue Gutachten nur eine Alibi-Übung ist, und die Regierung das Bergbauprojekt auf jeden Fall durchdrücken will. Beim Conga-Konflikt geht es auch um die Machtverteilung zwischen Zentralregierung und gewählter Regionralregierung.
Die Reichtümer Perus werden in den Regionen gefördert – letztendlich bestimmt aber darüber die Regierung in Lima. Jedoch sind in Peru auch die Regionalregierungen selbstbewusster geworden - und damit hat der Nationalist Humala durchaus seine Mühe. Angesichts dieser häuslichen Schwierigkeiten mag es für den ehemaligen Linken Humala verlockend sein, sich in Davos als neuen Shooting-Star unter Lateinamerikas Präsidenten feiern zu lassen.
(aus: www.blickpunkt-lateinamerika.de)
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lunes, 16 de enero de 2012
Peru und die Rallye Dakar
Platz für die schönen Weißen
Asia, Zielort der Rallye Dakar, steht für Rassismus in Peru
Von Hildegard Willer (KNA)
Lima (KNA)
Nur noch dem Namen nach hat die Rallye Paris-Dakar mit Afrika zu
tun. Dieses Jahr führt das Autorennen von Argentiniens Metropole Buenos
Aires nach Lima in Peru und endet in Asia. In diesem Fall ist nicht der Kontinent gemeint, sondern ein mondäner Badeort rund 100 Kilometer südlich der peruanischen
Hauptstadt. Dort wird am Sonntag entschieden, wer am schnellsten die
Querfeldein-Strecke über die Anden und die Wüste am Pazifik bewältigt
hat. Danach wird die Karawane im Korso für die Siegerehrung auf den
Hauptplatz von Lima fahren.Endstation des Rennens ist aber Asia. Für viele Peruaner ist der Badeort keineswegs ein Symbol des Motorsports, sondern steht für jenen Rassismus, der das Andenland bis heute prägt. Vor fast genau vier Jahren erlebte Asia eine Invasion besonderer Art: Am 28. Januar 2007 besetzten Hunderte junger Menschen den Strand und mischten sich unter die gut betuchten Badegäste. Gekleidet waren die Frauen in dunkelblauem Drillich, aus dem üblicherweise die Arbeitskleidung peruanischer Hausangestellter geschneidert ist.
Damit wollten sie dagegen protestieren, dass Bediensteten in Asia das Baden im Meer verboten wurde - und dies, obwohl alle Strände kraft Gesetz in Peru öffentlich zugänglich sein müssen. Hausangestellte werden in Asia nicht gern am Strand gesehen. Sie sollen unsichtbar bleiben, obwohl sie unentbehrlich sind. Ohne sie, die sich um die Kinder und den Haushalt kümmern, könnten sich wesentlich weniger Frauen und Männer dem lässigen Strandleben hingeben.
Die Strandkundgebung mit dem Namen "Operation mutige Hausangestellte" fand ein großes Medienecho. Die Bürger von Asia mussten ihre Baderegeln ändern. Seitdem dürfen auch Hausangestellte ihre Arbeitskluft aus- und den Bikini anziehen und die Pazifikwellen genießen.
Auch wenn diese Benachteiligung beseitigt ist. Der zugrundeliegende Rassismus im Land schwelt weiter. Die reichen Badegäste Asias sind meist weißer Hautfarbe, während die Dienstboten, so wie die Mehrheit aller Peruaner, indigene Vorfahren haben. "In den vergangenen vier Jahren hat sich Einiges getan in Sachen Diskriminierung", berichtet Wilfredo Ardito.
Der Anwalt, Vorkämpfer für die Gleichberechtigung von Menschen aller Hautfarben, verweist darauf, dass in jüngerer Zeit mehrere Gemeinden Verordnungen gegen ethnische Diskriminierung erlassen haben. Seitdem dürfen Lokale nicht mehr den Zugang wegen der Abstammung verwehren, und auch Stellenausschreibungen dürfen die Anforderung "gutes Aussehen" - eine peruanische Umschreibung für "weißhäutig" - nicht mehr verwenden.
Dennoch ist es ein langwieriges Unterfangen, Vorbehalte zu ändern. Eine jüngste Studie der renommierten Wirtschaftsuniversität "Universidad del Pacifico" brachte ans Licht, dass auf dem peruanischen Arbeitsmarkt ethnische Diskriminierung weiter an der Tagesordnung ist. Vor allem indigen aussehende Frauen haben es schwer, einen qualifizierten Job zu finden. Bis heute verdienen dunkelhäutige Peruaner 50 Prozent weniger als ihre helleren Landsleute.
Nach Meinung von Wilfredo Ardito fehlt eine aktive Antidiskriminierungspolitik in den einzelnen Abteilungen der peruanischen Behörden. Bislang werde kein Beamter dahingehend geschult, offenen oder verdeckten Rassismus aufzudecken und zu ahnden. "Der Rassismus bei uns ist zwar nicht mehr so offen, aber er wird von ganz vielen noch als normal, als natürlich angesehen", so Ardito.
Wenn am Sonntag staubbedeckte Autos und Motorräder samt ihren müden, hoffentlich unverletzten Fahrern den Strand von Asia belagern, werden auf den Pressebildern vor allem weißhäutige Peruaner zu sehen sein. Und alle werden das für ganz normal halten.
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domingo, 8 de enero de 2012
Goldrausch in Santa Rosa
Marcelino Correa von der Bauerngemeinschaft Santa Rosa de Suyo
Als Arcesio Gonza an jenem Samstagabend im August vor einem Jahr den Gottesdienst verliess,
wusste er nicht, dass er eben sein
letztes Gebet gesprochen hatte. Fünf Häuserzüge waren es von seiner
evangelischen Gemeinde zu seinem Haus im Dorf Santa Rosa de Suyo. Beim vierten
Block trat ein vermummter Mann aus dem Schatten, stach mit dem Messer mehrmals
auf Arcesio ein. Er fiel zu Boden, sah noch, wie der Angreifer sich auf seine
Frau Benancia stürzte, die laut um Hilfe schrie. Der Sohn hörte die
Hilfeschreie im nahen Haus, konnte den
Meuchelmörder in die Flucht schlagen. Auf der Fahrt ins nächste Krankenhaus an
der Grenze zu Ecuador starb Arcesio, seine Frau und nunmehr
Witwe überlebte. Der Mörder wurde bis heute, fast eineinhalb Jahre später,
nicht gefasst.
Arcesio Gonza aus dem
nordperuanischen Dorf Santa Rosa de Suyo starb, weil er sich weigerte, reich zu
werden.
Die Erde, auf der er und seine Vorfahren seit Jahrhunderten leben,
enthält Gold. Das ist nichts Neues. Neu
ist, dass der Goldpreis so hoch ist, dass es mindestens das 10-fache einbringt,
die Erde nach Gold umzugraben, statt weiterhin Ziegen und magere Kühe darauf
weiden zu lassen. Der 54-jährige Bauer Arcesio war Gemeinderat und hatte
mitentschieden, dass auf dem
Gemeindegebiet jedoch nicht nach Gold
gegraben werden dürfe. Einige Bauern hielten sich nicht an die Abmachung,
gruben auf ihrem Land dennoch nach Gold und errichteten Goldwaschanlagen, in
denen sie mit hochgiftigem Quecksilber die Goldkörner vom Rest der Steine
trennen. Der Gemeinderat liess die
Goldgruben wieder zuschütten, die Goldgräber öffneten sie wieder, die
gegenseitigen Beschuldigungen und Drohungen nahmen überhand – bis an jenem
Abend des 21. August 2010 Arcesio Gonza umgebracht wurde.
Über ein Jahr später erzählte mir Marcelino Correa in einem
Kaffee nahe beim Busbahnhof der nordperuanischen Stadt Piura wie das Unheil mit
dem Mord an Arcesio Gonza in seinem Dorf Santa Rosa seinen Ausgang nahm.
Marcelino ist 25 Jahre alt, sein Unterarm ist mit Stempeln aller Art übersät.
Es ist ein Zeichen, dass er gerade im Gefängnis zwei seiner Gemeinderatskollegen besucht hat,
die dort wegen Mordes angeklagt sind.Der
Mord an Arcesio Gonza hat eine Welle von
Gewalt und Gegengewalt ausgelöst . Im Dorf Santa Rosa de Suyo findet heute ein
Kleinkrieg statt zwischen Bauern, die Gold abbauen und Bauern, die dagegen sind.
Marcelino gehört, ebenso wie seine zwei verhafteten Freunde,
zur Fraktion der Bauern. Alle fünf Minuten klingelt sein Handy, Marcelino
beschwichtigt die Zuhörer, dass es ihm gut geht und er gleich losfahren wird.
„Meine Familie hat Angst, dass mir was passiert“, erklärt er. „Jemand hat ausgesagt, er habe
mich an einem Tatort gesehen, damit werde ich verdächtig als nächstes Opfer“.
Marcelino Correa ist ein junger Bauer , alles andere als
reich. Trocken ist es in Santa Rosa, da wachsen keine Maracuja oder Mango, die
man exportieren könnte, wie es 100 Kilometer weiter talabwärts der Fall ist. In
Santa Rosa de Suyo gibt es Ziegen und ein paar magere Kühe, die sich im
Gestrüpp ihre Nahrung suchen. Sonst nichts. Warum in aller Welt , so frage ich,
handelt Ihr gegen jegliche ökonomische Vernunft und grabt Ihr nicht auch lieber
nach Gold ? Bei dem hohen Goldpreis wäre das ein Bombengeschäft, und zu
verlieren habt Ihr ja nichts.
Marcelino wird nachdenklich. „Gold ist schnelles Geld und
schafft Ungleichheiten und Zwist in der Gemeinschaft“. Sie hätten Angst, dass
dadurch ihre Gemeinschaftswerte verloren gingen und dass die zügellose Gier
Einzug hielte. Auch die Bedenken gegen
die Umweltverschmutzung durch den Goldabbau spielten eine Rolle. „Wir haben
wenig Holz, und die Bergleute brauchen das wenige Holz als Stützstreben in
ihren Stollen“. Aber haben sie eine
Alternative zum Goldabbau ? Marcelino
träumt vom organischen Kaffeeanbau, aber bisher steht noch keine einzige
Kaffeestaude auf seinem Land.
Marcelinos Handy klingelt zum dritten Mal in 30 Minuten.
Seine Freundin ist am Apparat, der junge Mann beruhigt sie. „Ich fahre jetzt
gleich mit dem Bus los nach Santa Rosa, in zwei Stunden bin ich dort“.
Marcelino ist damals gut in seinem Dorf angekommen. Er ist
auch heute, an Weihnachten 2011, noch am Leben. Die Zahl der wegen des Goldes
ermordeten Menschen in seinem Bezirk – sowohl Begleute wie Bauern - ist in den
letzten beiden Monaten jedoch auf 14 angestiegen.
Ich weiss nicht, wer die Morde ausgeführt hat. Aber ich
weiss, warum mich die Geschichte der Bauern von Santa Rosa de Suyo so berührt
hat: in einem Jahr, in dem die Rede vom Wirtschaftswachstum alles bestimmt, in dem ich einerseits in einem
Land – Peru - lebe, das sich im kollektiven
Goldrausch befindet , mit einer Hauptstadt, in der an jeder Strassenecke ein neues Einkaufszentrum entsteht, um das
Geld aus dem Goldabbau auch gleich wieder ausgeben zu können. Und andererseits in einem Jahr der
Horrornachrichten aus Europa, weil eben dieses Wirtschaftswachstum ausbleibt,
und alle wie verrückt Gold kaufen, weil sie glauben, damit ihre Ersparnisse vor
einem drohenden Wirtschaftskollaps zu retten. In
einer Zeit, in der Gier hoffähig geworden ist, und in der jeder für blöd
erklärt wird, weil er nicht seinen kurzfristigen materiellen Vorteil sucht: in
einer solchen Zeit auf Menschen wie Marcelino zu treffen, die – entgegen aller ökonomischen Vernunft - sagen: „Wir verzichten auf Gold, denn das
bringt nur Zwist und Umweltzerstörung“ – das ist fast wie Weihnachten.
lunes, 28 de noviembre de 2011
Gold
Gold
Ein Diskussionsbeitrag
Drei Meldungen, die erst mal nichts miteinander zu tun haben:
1) Die Raiffeisenbank in meinem Allgäuer Heimatdorf verkauft ihren Kunden normalerweise solide Sparbriefe und finanziert die lokalen Betriebe oder den beliebten Häuslesbau. Gross war mein Erstaunen, als der Bankangestellte bei meinem letzten Besuch einen Prospekt hervorzog und meinte, da gäbe es auch noch sichere Anlagen in Minenprojekten in fernen Ländern….
2) Meldung in der peruanischen Wirtschaftszeitung “Gestion” vom 28. November 2011: Die USA hat ihre Platz als zweites Hauptexportland für peruanische Produkte eingebüsst. Die meisten peruanischen Ausfuhren gehen weiterhin nach China. Den zweiten Platz hat die kleine Schweiz den USA abgerungen.
3) Seit einer Woche tobt in Peru eine heftige Auseinandersetzung ob der Umweltgenehmigung für das geplante Grossabbauprojekt “Conga” in der nordperuanischen Provinz Cajamarca. Teile der lokalen Bevölkerung wehren sich mit Strassenprotesten und Blockaden gegen das Projekt. Für die seit Juli amtierende Regierung Humala steht die Entscheidung an, ob sie sich auf Seiten der Protestierenden stellen – die ursprünglichen Wähler Humalas – oder das Grossprojekt, das von der Vorgängerregierung genehmigt wurde, durchziehen werden.
Was haben alle drei Meldungen gemein ? Es geht um´s Gold. Ob der aktuelle Goldboom für Länder wie Peru eine Riesenchance oder ein Riesendesaster ist, hängt davon ab, wie sehr der peruanische Staat die Macht hat, regulierend einzugreifen, und die Umweltschäden auf ein Minimum zu reduzieren und andererseits die Gewinne fürs Allgemeinwohl zu maximieren. Angesichts der dramatischen Meldungen über die Umweltschädes des Goldabbaus weltweit möchte ich hier das Augenmerk mal auf die Nachfrageseite richten:
- InPeru und anderswo ist das Goldfieber ausgebrochen, weil die Leute in Europa wie verrückt Gold kaufen wollen. Die Antwort darauf, warum die kleine Schweiz die USA als zweites Exportland in Peru abgelöst hat, sind die Goldexporte in die Schweiz. Die bleiben nicht unbedingt in Schweizer Tresoren sondern werden von dort über ganz Europa verteilt. Wer kauft Gold ? Schliesslich sind solide Mitteleuropäer wie die Deutschen keine Inder, die ihren Reichtum gerne mit goldbehängten Ehefrauen zur Schau stellen. Nein, das Gold ist die Sicherheits-Reserve für den deutschen Sparer, den kleinen wie den grossen, der angesichts der Euro-Krise meint, mit Gold seine Ersparnisse sichern zu können. Jeder, der heute Gold kauft oder Anteile an Goldminen oder Aktien in einem Anlagenfonds hat, der auch in Gold investiert, trägt dazu bei, dass in Ländern wie Peru das Goldfieber ausbricht – mit allen Vor- und Nachteilen.
- Nachdem ich zig Goldminen in Peru besucht habe, illegale wie legale, ein-quadratmeter-grosse Schächte wie kilometerlange Tagebauten, fairtraide-zertifizierte wie übel beleumdete, kann ich vor allem eines sagen: ökologisch unbedenkliches Gold ist ein Widerspruch in sich. Ich zumindest habe keines gefunden. Ohne Quecksilber oder Zyanid ist keine Goldproduktion möglich, alternative Technologien stecken in den Babyschuhen. Man kann die Beeinträchtigungen für die Umwelt mittels gewisser Technologien reduzieren und kontrollieren, aber nicht umweltneutral produzieren. “Öko-Gold” ist so unsinnig wie ein “Öko-Auto”.
( Die einzige Ausnahme dürfte Recycling-Gold sein ). Das muss jeder wissen, der – in welcher Form auch immer – Gold kauft.
Nicht immer sind die grossen multinationalen Unternehmen die grössten Umweltschänder. Sie haben die Mittel, neueste Technologien einzusetzen und haben das Risiko des Imageverlustes, wenn sie hier Pfusch betreiben. Andererseits stellen die Bergbauvorhaben der Multis schon aufgrund ihrer Grösse einen enormen Eingriff in ein komplexes Öko-System und die Langzeitfolgen sind, mangels Erfahrungswerten, nicht abzuschätzen. Wichtig wäre hier, dass der zuständige Staat im Vorfeld mögliche Langzeitschäden in Rechnung stellt und unabhängige und umfassende Umweltgutachten für die Bewertung als Grundlage nimmt.
- Illegal oder informell hergestelltes Gold zerstört nicht nur die Umwelt in grossem Masse und bringt dem peruanischen Staat keine Steuer-Einnahmen. Es bringt auch – ähnlich wie das Koka-Geschäft – Zwist, kriminelle Strukturen und grosse Ungleichheiten in traditionelle Dorfgemeinschaften. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen, ob die Bewohner eines Dorfes angesichts der hohen Gewinne im Goldabbau nun nach Gold schürfen statt Ziegen hüten sollen, ziehen sich mitten durch die Dörfer hindurch.
- Ist ein Kompromiss zwischen den Einnahmen aus der Goldproduktion und dem Verlust an Umweltqualität möglich ? Der peruanische Präsident Ollanta Humala sagt ja, er wolle “Wasser und Gold”. Leider haben diesen Spruch vor ihm schon die grossen Bergbaufirmen im Munde geführt, die sich mit ihrem einseitigen Gewinnstreben das Vertrauen der lokalen Bevölkerung verscherzt haben. Die Gegner des Bergbaus interpretieren Humalas Worte deswegen als Zugeständnis an die Unternehmerseite. Dennoch möchte ich glauben, dass ein solcher Kompromiss möglich ist. Die Polarisierung zwischen einerseits Modernisierung durch Einnahmen aus der Goldproduktion und intakter Natur anderseits führt ins Abseits. Aus einem ganz einfachen Grund: gerade Länder wie die Schweiz oder Deutschland sind das beste Beispiel dafür, dass man Industrie und Modernisierung mit Schutz der Umwelt in Ausgleich bringen kann. Billig ist das nicht, okay. Aber: warum sollen nur die Schweizer oder Deutschen einerseits Strom, fliessendes Wasser, eine Strasse und eine Schule im Dorf haben und gleichzeitig den Wald vor ihrer Haustüre?
Ich habe das Angebot des Bankangestellten meiner Raiffeisenbank, in Gold zu “machen”, übrigens ausgeschlagen. Wenn jemand jedoch partout nicht vom Gold lassen möchte, weil er oder sie es als beste Sicherheit für die eigenen Ersparnisse ansieht, würde ich um folgende Informationen bitten:
- Gold- oder Goldaktien mit Herkunftssiegel, am besten ein Fairtrade-Siegel: dies bedeutet, dass das Gold von legalisierten Kleinbergleuten gefördert wird, die die staatlichen Umweltauflagen und Arbeitssicherheitsauflagen einhalten und die Steuern zahlen. Das alles tun grosse Unternehmen auch, aber warum sollen nicht gerade die Kleinschürfer vom Goldboom profitieren ? Eine Umweltabsolution ist mit dem Fairtrade-Siegel aber nicht verbunden!
- Die rechtlich bindende Zusicherung, dass kein informell gefördertes Gold in meinen Gold-Aktien, -münzen oder -barren enthalten ist.
Ich nehme an, dass ich mit diesen beiden Fragen nicht nur meinen Bankberater ins Schwitzen bringen würde!
lunes, 21 de noviembre de 2011
Ein gutes Leben, nicht ein besseres
Eine aus ihrer Spur geratene Moderne hat die westliche Zivilisation an ihre Grenzen geführt, sagt Josef Estermann, ein in Bolivien lebender Schweizer Philosoph. Er sieht in der andinen Philosophie, der „Pachasofia“, eine Korrektur zur übermächtigen westlichen Denkart. Der Mensch ist in der Kosmovision der andinen Völker nicht als Individuum, sondern nur in Beziehung zu anderen und zur Natur zu denken. Das andine „Buen Vivir“ hat als eigener Massstab für Entwicklung Einzug in die Verfassungen von Bolivien und Ecuador gehalten. In der Praxis stehen sich aber auch in Bolivien moderne und indigene Vorstellungen des „Guten Lebens“ gegenüber, wie das Beispiel des Tipnis-Nationalparks zeigt.
Wenn Vicente Alanoca vom „Guten Leben“ spricht, leuchten seine Augen. Er erzählt davon, wie in seinem Dorf am Titicaca-See alle Bewohner bei gemeinsamen Arbeiten oder Feiern mitmachen, niemand aussen vor bleibt. Wie auch noch die kleinste Kartoffel wertgeschätzt wird, denn „sie weint, wenn Du sie wegschmeisst“. Wie ihm als kleinen Jungen behutsam beigebracht wurde, die Natur, die Mutter Erde, zu schützen. Vicente Alanoca ist Ethnologe und selber Aymara. Er ist Bürgermeister in dem Dorf, in dem er geboren wurde. Das Gute Leben, das „Sumaq Jakanha“, wie es in Aymara heisst, hat aber auch mit dem Aufrechten Gang, mit einem Leben in Würde zu tun. Diese Würde wurde wurde den Indigenas 500 Jahre lang genommen, die Erinnerung daran ist noch sehr lebendig.
Werteentwicklung in den Großstädten
Taugen die andinen Vorschläge des „Guten Lebens“, die ihren Sitz im Landleben der Anden haben, auch für die Stadt ? Oder ist es etwa eine Romantisierung des ländlichen Lebens derer, die das Landleben geniessen, weil sie nach ein paar Tagen wieder in die Annehmlichkeiten der modernen Stadt zurückkehren ?
José Carlos Silva lebt in der Millionenstadt Lima. Der Volkswirt von der Universidad Ruiz de Montoya erntet keine Kartoffeln, hat aber sehr wohl eine Vorstellung, wie man in Lima gut lebt. Zum Beispiel, in dem er seine Wege mit dem Fahrrad zurücklegt. Oder indem er mit anderen in einer Wohngemeinschaft leben und damit Raum spart und Beziehungen lebt. Im wachstumsverrückten Peru schwimmt José Carlos Silva damit gegen den Strom, noch. „ Wir haben nicht nur materielle Bedürfnisse, sondern auch immaterielle Bedürfnisse, wie Zuneigung, Geselligkeit, Spiritualität, Musse – all das wird vom Markt nicht gedeckt“ , sagt der Ökonom.
In Peru macht sich die Auseinandersetzung zwischen den Entwicklungsmodellen vor allem am Gold fest. Mehr als die Hälfte der steigenden Staatseinnahmen kommen aus dem Goldexport. Präsident Humala will damit sein ehrgeiziges Sozialprogramm finanzieren. Der Preis dafür sind verschandelte Landschaften, tote Flüsse, zerstrittene Dorfgemeinschaften. Viele betroffene Dorfgemeinschaften protestieren deswegen gegen den Goldabbau. „Wir wollen beides, Gold und Wasser“, sagte Präsident Ollanta Humala dazu im peruanischen Fernsehen. „Und dass ein technologisch sauberer Bergbau möglich sei“.
Ressource Wasser
Vicente Alanoca, José Carlos Silva und Josef Estermann, alle drei Referenten bei einer Veranstaltung der Universität Ruiz de Montoya in Lima, stimmen überein, dass dies eine Illusion sein könnte. „An Mangel an Gold ist noch niemand gestorben“, sagt Vicente Alanoca, „wohl aber daran, dass es kein Wasser mehr gab“. José Carlos Silva hat einen viel radikaleren Vorschlag: anstatt das Gold in umweltschädigenden Verfahren aus der Erde zu holen, damit es letztlich wieder in einem Banktresor in der Schweiz landet, könnte man es in der Erde lassen, und die Investoren könnten eine Aktie des Fundortes kaufen. „Der Berg ist ein viel sicherer Ort für Gold als jeder Tresor“.
( Quelle: www.blickpunkt-lateinamerika.de)
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