Unter folgendem Link findet Ihrdie Radio-Reportage von Bettina Rehmann und mir
sábado, 19 de octubre de 2013
Gutes Essen und Hunger in den Anden
Wenn die Frauen aus Chihuani, Combaya oder einem der Nachbardoerfer im bolivianischen Hochland ihre farbigen Wolltuecher auf den Boden legen und das mitgebrachte Essen zum gemeinsamen „aptapi“ ausbreiten, duerfte jedem gesundheitsbewussten Vegetarier das Wasser im Munde zusammen laufen: organisch angebaute Kartoffeln, in einer Auswahl von mindestens vier Sorten, von der lilafarbenen Huayra bis zur Peruanita; die Andenwurzel Ragacha – eine perfekte Mischung von Karotte und Kartoffel; gefriergestampfte Chunhos, die der Andenbevolkerung auch ueber eine Trockenzeit ohne Ernte hinweghelfen, duerfen auch nicht fehlen.
Dazu handgemachter Kaese, fingerkuppengrosse saftig gelbe gekochte Maiskoerner, daumengrosse Saubohnen und eine frisch gebackene Tortilla aus selbstgemahlenem Maismehl: das alles getunkt in wuerzige Sossen mit Kraeutern aus dem heimischen Garten . Gegessen wird mit der Hand, weit und breit kein Geschirr, geschweige denn Plastikgeschirr zu sehen – ausser der unvermeidlichen 3-Liter-Flasche mit irgendeinem bunten suessen gesprudelten Getraenk, das im Plastikbecher herumgereicht wird.
Die Doerfer, in denn ich dieses exquisite Mahl geniessen durfte, gehoeren zu den aermsten Doerfern Boliviens und gelten als rueckstaendig.
Echarate ist das reichste Dorf Perus: die Gemeinde im oestlichen Tiefland des Departamentes Cusco beherbergt die groessten Gasfelder Perus. Die Steuereinnahmen aus der Erdgasfoerderung haben den indigenen Tieflandbewohnern von Echarate zum durchschnittlich hoechsten Prokopf-Einkommen verholfen. Dennoch hat die Unterernaehrung in Echarate gerade unter den indigenen Machiguenga zugenommen, wie die Journalistin Nelly Luna in einer Artikelserie in El Comercio berichtet. „Es ist kein Problem des Geldes“, sagt sie. Statt wie herkoemmlich auf die Jagd zu gehen oder zu fischen, kaufen die Machiguenga nun ein Sprudelgetraenk und eine Packung Cracker im naechsten Laden zum Fruehstueck.
Etwas aehnliches ist auch in den Hochanden zu beobachten, wenn auch aus einem anderen Grund: aufgrund der hohen Weltmarkt-Nachfrage nach Quinoa, verdienen viele Subsistenzbauern im bolivianischen und peruanischen Hochland zum ersten Mal richtig Geld mit ihrem Produkt, das bisher nur zum Hausgebrauch angebaut wurde. Viele Bauern verkaufen die Quinoa lieber, als sie selber zu essen. In vielen Andendoerfern kann man deshalb keine Quinoa mehr auf dem Dorfmarkt kaufen – oder wenn dann zu horrenden Preisen. Mit dem Erloes aus dem Quinoaverkauf fuer den Export kaufen viele Bauern nun das, was bisher unerschwinglich war und in der Werbung als Inbegriff eines modernen Lebens gilt: Nudeln, Thunfisch aus der Dose, eines der bunten Cola-Getraenke und die unvermeidlichen Cracker als Brotersatz.
Es ist ein Paradox – und sicher nicht das einzige – des sogenannten Fortschritts, dass mehr Geld nicht automatisch zu besserer, sehr wohl aber oft zu schlechterer Ernaehrung fuehrt.
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miércoles, 10 de julio de 2013
Gold - die Geißel des Amazonas
Lima (KNA) Ein Kilogramm Quecksilber passt in eine
Halbliter-Plastikflasche und ist in einigen Gegenden Südamerikas so
einfach erhältlich wie Bier oder Cola. 480.000 Tonnen Quecksilber
haben die Anrainerstaaten des Amazonasbeckens - Venezuela,
Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Brasilien - 2012 gemeinsam
eingeführt. Nur ein kleiner Bruchteil davon wird für Zahnfüllungen
oder zur Herstellung von Batterien gebraucht. Der allergrößte Teil
des hochgiftigen Metalls landet in den Camps illegaler Goldschürfer.
Ohne Quecksilber können sie die Goldsteinchen nicht vom umliegenden
Material trennen.
"Der illegale Goldabbau ist eine Geißel", sagte der peruanische Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal bei einem Forum in der peruanischen Hauptstadt, das erstmals Experten aus den sechs Anrainerstaaten des Amazonasbeckens zusammenbrachte. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Illegaler Goldabbau ist längst ein Problem aller Amazonasländer geworden. Gesicherte Zahlen sind bislang dürftig - eben weil es sich um Goldgräber handelt, die ihr Gewerbe nicht anmelden; die Realität ist dennoch erschreckend. In 21 von 24 peruanischen Provinzen schürfen Menschen ohne Genehmigung oder Einhaltung von Umweltvorschriften nach Gold.
Besonders schlimm ist es in der an Brasilien grenzenden Provinz Madre de Dios: Bevor der Flusssand nach Goldsand umgegraben werden kann, muss der Urwald gefällt werden. 18.000 Hektar Regenwald sind dort bereits dem Goldabbau zum Opfer gefallen. DiE armen Kleinschürfer werden dabei selten reich. "Die illegale Goldgräberei wird mit großen Flussbaggern und Schaufelbaggern betrieben. Das Kapital dazu stammt auch von mächtigen Investoren", sagt Ernesto Raez, Berater im peruanischen Umweltministerium.
In Kolumbien wird 63 Prozent allen geförderten Goldes ohne amtliche Genehmigung und damit auch ohne Umweltaufsicht geschürft. Goldproduktion ist lukrativ für Drogenbarone; aber auch die Guerilla kassiert Wegezoll für ihren Schutz der illegalen Goldminen, wie Leonardo Guiza von der Universidad del Rosario in Bogota berichtet. Mit 180 Tonnen eingeführten Quecksilbers jährlich führt Kolumbien die Statistik beim Verbrauch des hochtoxischen Metalls an. In Brasilien graben rund 75.000 Goldschürfer, dort "Garimpeiros" genannt; sie sind vor allem im Norden Brasiliens tätig, an der Grenze zu Venezuela. Aus Ecuador und Bolivien sind wenig gesicherte Zahlen erhältlich; aber das Problem nimmt auch dort zu.
Der Schaden durch den illegalen Goldabbau ist immens: Das Quecksilber gelangt unkontrolliert in die Nahrungskette der Anwohner und ins Grundwasser; die Goldschürfer selbst atmen hochgiftige Dämpfe ein. Prostitution und Gewalt begleiten das lukrative Geschäft des schnellen Goldes. Den Staatskassen entgehen Millionen an Steuergeldern. Nun hat Kolumbien Strafen verhängt. In Peru wird der Handel mit Quecksilber und Benzin - das für die Dieselmotoren und Bagger gebraucht wird - strenger als bisher kontrolliert.
Der Abbau im Regenwald steht ebenfalls unter Strafe. Doch kaum ein Goldgräber lässt sich durch die neuen Gesetze von dem lukrativen Geschäft abbringen. Allein in Peru leben 100.000 bis 200.000 Menschen vom illegalen Goldabbau. Minister Pulgar-Vidal will nun mit Polizei und Militär gegen die Goldgräber im Amazonasgebiet vorgehen: "Wir müssen die Gesetze durchsetzen", sagt er - "auch wenn die sozialen Kosten dafür hoch sind".
Der Hauptteil des illegal geförderten Goldes gelangt über Zwischenhändler ganz legal nach Europa. Wirksamer als alle gesetzlichen oder sogar militärischen Maßnahmen dürfte der Weltmarkt sein: Wenn der Goldpreis weiter sinkt, rentiert es sich irgendwann nicht mehr, den Amazonas abzuholzen, um im Flusssand nach Gold zu buddeln.
"Der illegale Goldabbau ist eine Geißel", sagte der peruanische Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal bei einem Forum in der peruanischen Hauptstadt, das erstmals Experten aus den sechs Anrainerstaaten des Amazonasbeckens zusammenbrachte. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Illegaler Goldabbau ist längst ein Problem aller Amazonasländer geworden. Gesicherte Zahlen sind bislang dürftig - eben weil es sich um Goldgräber handelt, die ihr Gewerbe nicht anmelden; die Realität ist dennoch erschreckend. In 21 von 24 peruanischen Provinzen schürfen Menschen ohne Genehmigung oder Einhaltung von Umweltvorschriften nach Gold.
Besonders schlimm ist es in der an Brasilien grenzenden Provinz Madre de Dios: Bevor der Flusssand nach Goldsand umgegraben werden kann, muss der Urwald gefällt werden. 18.000 Hektar Regenwald sind dort bereits dem Goldabbau zum Opfer gefallen. DiE armen Kleinschürfer werden dabei selten reich. "Die illegale Goldgräberei wird mit großen Flussbaggern und Schaufelbaggern betrieben. Das Kapital dazu stammt auch von mächtigen Investoren", sagt Ernesto Raez, Berater im peruanischen Umweltministerium.
In Kolumbien wird 63 Prozent allen geförderten Goldes ohne amtliche Genehmigung und damit auch ohne Umweltaufsicht geschürft. Goldproduktion ist lukrativ für Drogenbarone; aber auch die Guerilla kassiert Wegezoll für ihren Schutz der illegalen Goldminen, wie Leonardo Guiza von der Universidad del Rosario in Bogota berichtet. Mit 180 Tonnen eingeführten Quecksilbers jährlich führt Kolumbien die Statistik beim Verbrauch des hochtoxischen Metalls an. In Brasilien graben rund 75.000 Goldschürfer, dort "Garimpeiros" genannt; sie sind vor allem im Norden Brasiliens tätig, an der Grenze zu Venezuela. Aus Ecuador und Bolivien sind wenig gesicherte Zahlen erhältlich; aber das Problem nimmt auch dort zu.
Der Schaden durch den illegalen Goldabbau ist immens: Das Quecksilber gelangt unkontrolliert in die Nahrungskette der Anwohner und ins Grundwasser; die Goldschürfer selbst atmen hochgiftige Dämpfe ein. Prostitution und Gewalt begleiten das lukrative Geschäft des schnellen Goldes. Den Staatskassen entgehen Millionen an Steuergeldern. Nun hat Kolumbien Strafen verhängt. In Peru wird der Handel mit Quecksilber und Benzin - das für die Dieselmotoren und Bagger gebraucht wird - strenger als bisher kontrolliert.
Der Abbau im Regenwald steht ebenfalls unter Strafe. Doch kaum ein Goldgräber lässt sich durch die neuen Gesetze von dem lukrativen Geschäft abbringen. Allein in Peru leben 100.000 bis 200.000 Menschen vom illegalen Goldabbau. Minister Pulgar-Vidal will nun mit Polizei und Militär gegen die Goldgräber im Amazonasgebiet vorgehen: "Wir müssen die Gesetze durchsetzen", sagt er - "auch wenn die sozialen Kosten dafür hoch sind".
Der Hauptteil des illegal geförderten Goldes gelangt über Zwischenhändler ganz legal nach Europa. Wirksamer als alle gesetzlichen oder sogar militärischen Maßnahmen dürfte der Weltmarkt sein: Wenn der Goldpreis weiter sinkt, rentiert es sich irgendwann nicht mehr, den Amazonas abzuholzen, um im Flusssand nach Gold zu buddeln.
(Quelle: KNA - Katholische Nachrichtenagentur)
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viernes, 5 de julio de 2013
Kein Respekt vor dem Paradies
Den Tag im Januar diesen Jahres wird Marco Guillén nie vergessen:
mit seinem Team trug der junge peruanische Archäologe, wie jeden Tag, Sandschicht um Sandschicht ab in der vorinkaischen Tempelanlage “El Paraíso”. Dabei legte er eine Feuerstelle frei, auf der die ersten Siedler Limas für ihre Gottheiten das heilige Feuer instand hielten. Auf bis zu 3000 Jahre vor Christus, also auf 5000 Jahre, datierten die Archäologen den Fund, um 800 Jahre älter als erwartet – eine Sensation in archäologischen Kreisen. Denn bis jetzt kann nur die Ausgrabungsstätte Caral, ein paar Hundert Kilometer nördlich von Lima, mit diesem Alter aufwarten.Der erst 33-jährige Guillén hatte mit zwei noch jüngeren Assistenten und den Ausgrabungshelfern mit viel Engagement und wenig Geld einen Fund gemacht, von dem viele Archäologen träumen dürften.
Die meisten Touristen kennen Macchu Picchu und nehmen Lima als notwendigen aber ungeliebten Zwischenstopp in Kauf, um in die Anden zu reisen. Dabei hat der 8-Millionen-Moloch Lima 500 vorinkaische archäologische Stätten vorzuweisen. “Huaca” nennt man in Peru die archäologischen Reste nicht nur der Inka sondern all der Völker vor ihnen, die die Anden und die Pazifikküste Südamerikas besiedelt hatten. Man findet die grauen Sandhügel allenthalben im Stadtgebiet von Lima: neben dem Armenviertel ebenso wie im heutigen Luxusviertel. Oft sind sie nicht mal durch einen Zaun geschützt. Die “Huaca El Paraiso” ist eine der grössten und unbekanntesten Huacas in Lima. Sie liegt am Ende des Stadtteils San Martin de Porras, vor 50 Jahren am Rande Limas gelegen, heute mitten in der Stadt, an der Grenze zum Hafen-Distrikt Callao.
Grosse Pläne hat Marco Guillén mit der Huaca El Paraiso: ein Naherholungsziel soll die archäologische Stätte werden, die zudem einigen Menschen im ärmlichen Viertel San Martin de Porras Arbeit gibt. Denn die Huaca El Paraiso wird – im Gegensatz zu anderen Huacas -von einem lokalen Verein instand gehalten und bis heute für rituelle Veransaltungen genutzt. “Hermana Killa”, “Schwester Mond”, nennt sich Maria Rosales in Anlehnung an ihre indianische Herkunft aus den Anden. Jeden Tag sitzt sie an ihrem Stand vor der Huaca und informiert die wenigen Besucher über die einstigen Traditionen. Sie sieht sich als Erbin ihres Grossvaters, eines Schamanen aus dem nordperuanischen Huaraz. Jedes Jahr zur andinen Sonnwend (Inti Raymi) , organisiert sie zusammen mit dem Verein und Distriktsverwaltung ein Inti Raymi-Fest nach andinem Brauch. (Hier ist ein Video vom diesjährigen Inti Raymi in der Huaca El Paraiso http://www.youtube.com/watch?v=jBDgSr8yU_o)
Es waren die Nachbarn der Huaca El Paraiso, die am 1. Juli nachmittags den Baggern Einhalt geboten, die eine noch nicht ausgegrabene Pyramide zerstört hatten und sich anmachten, die restlichen Erdhügel und damit auch die vorinkaischen Spuren zu beseitigen. Im Auftrag zweier Baufirmen waren die Arbeiter in die geschützte Zone eingedrungen. Im boomenden Lima ist Baugrund rar und die städtischen Beamten sind empfänglich für Bestechungsgelder. Von der Huaca El Paraiso wurden die Baufirmen nur dank der Wachheit der Anwohner vertrieben. Das ist nicht immer so.
Wieviele Huacas in Lima bereits einem Hochhaus zum Opfer gefallen sind ? Das weiss niemand genau. Dabei sind die archäologischen Ausgrabungsstätten neben den ausgewiesenen Naturschutzgebieten, die einzigen Zonen im Land, in denen per Gesetz nicht einfach eine Strasse, eine Mine oder ein Bohrloch gebaut werden kann. Jeder, der ein Grossprojekt vorhat, muss sich einen archäologischen Unbedenklichkeitsbescheid vorlegen. Ein Grossteil der peruanischen Archäologen – die auch hier sonst eher zur Gattung arbeitsloser Akademiker zählen - arbeitet für den Staat oder für private Firmen in der Erstellung dieser Gutachten . Das Kultusminsterium prüft sie dann und gibt die Zustimmung oder Ablehnung des Projektes – analog zu den Umweltgutachten.Für die meisten Firmen ist das CIRA (certificado de inexistencia de restos arqueológicos) eine reine Formalität – die ihnen aber zulange dauert. Unter den jüngsten Massnahmen der peruanischen Regierung, um die Investitionen zu fördern, befindet sich auch eine neue Vorgabe für das Kultusministerium: wenn sie innerhalb von 20 Tagen die archäologischen Gutachten nicht geprüft haben, so tritt ihre Gültigkeit automatisch in Kraft.
Während um die Güte und Unparteilichkeit der Umweltgutachten in Peru wenigstens öffentlich debattiert wird, ist die Auslöschung des archäologischen Erbes zugunsten von Strassen, Hochhäusern und Bergbauminen bisher lautlos vor sich gegangen.
viernes, 24 de mayo de 2013
Wunderpflanze aus den Anden hilft Kleinbauern
Von Januar bis März wiegen sich Quinoa-Rispen auf den Feldern des Altiplano, der Hochebene rund um den Titicaca-See. Den Inka galt die Pflanze als heilig; die Spanier verteufelten sie wie alles Indigene. Eine Renaissance der Quinoa begann mit dem Aufkommen von Fairhandels-Läden ab den 70er Jahren. Die getreideähnlichen Samenfrüchte galten als gesund und alternativ. In Peru und Bolivien selbst aber aß Quinoa nur, wer sich Reis, Nudeln oder Weizenbrot nicht leisten konnte. Die Pflanze blieb die einfache Kost der Kleinbauern.
Schon vor 20 Jahren als Astronautennahrung gepriesen
Zwar wurde Quinoa schon vor 20 Jahren von der US-Weltraumbehörde NASA wegen ihres hohen Eiweißgehalts als Astronauten-Nahrung gepriesen. Ein Boom begann aber erst, seit immer mehr Nordamerikaner und Europäer an Gluten-Unverträglichkeit litten und Quinoa als Alternative zu Weizen, Roggen und Gerste entdeckten. Seit 2005 hat sich der Preis für die Anden-Pflanze verdreifacht, die Anbauflächen wachsen. Derzeit stammen 45 Prozent der Welternte aus Bolivien, 30 Prozent aus Peru. Die Welternährungsorganisation FAO sieht in dem Ackerprodukt ein Mittel gegen den Hunger in der Welt; UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief das Jahr 2013 zum Jahr der Quinoa aus.
"Seit rund 10 Jahren bemerken wir die steigende Nachfrage nach Quinoa", erklärt Luis Jesus Lopez. Der gebürtige Spanier ist Miteigentümer der Quinoa-Mühle "Altiplano SAC" in Juliaca - in erster Linie aber katholischer Priester. Zum Unternehmer wurde er, um Vorwürfen zu begegnen, die Kirche verteile nur Almosen. Der Geistliche machte die Probe aufs Exempel und gründete vor 18 Jahren die erste Quinoa-Mühle in Juliaca mit dem Ziel, Zwischenhändler auszuschalten und damit den Gewinnn der Bauern zu vergrößern. Gleichzeitig rief er eine Kooperative ins Leben; zu den ersten Teilhabern gehörte die Familie Pari. Heute verarbeitet "Altiplano SAC" in ihrer modernen und international zertifizierten Anlage 100 Tonnen organisch angebaute Quinoa pro Monat. Ihre Quinoa-Flocken, Quinoa-Popcorn und andere Produkte gehen an Importeure in Europa und Nordamerika.
Steigende Nachfrage bringt Mehreinnahmen und Konflikte
Die steigende Nachfrage brachte den Bauern Mehreinnahmen, aber auch Konflikte: Die Ausweitung der Anbaufläche geht auf Kosten der Lama-Zucht, die Pflanzen laugen die Böden aus, und zudem kommt es zu Besitzkonflikten um brachliegendes Land. Da die Quinoa inzwischen ein Luxusgut geworden ist - in Lima kostet ein Kilo Quinoa fast drei Euro, ein Kilo Reis dagegen einen Euro - verkaufen die Bauern ihre Quinoa lieber und essen selbst weniger nahrhaften Reis oder Nudeln.
Rolando Pari verdankt Quinoa seinen bescheidenen Wohlstand - aber allein auf das Anden-Korn will er nicht setzen: Klimaschwankungen und unvorhergesehene Kälteeinbrüche in den vergangenen Jahren haben mehrfach Ernten vernichtet. "Uns ist es mit der Landwirtschaft gut gegangen", sagt der 28-Jährige trotzdem. Zurück in die Stadt will er nicht. Als Jung-Unternehmer hat er klare Vorstellungen, wie er die Landwirtschaft diversifizieren und ausbauen kann. Dass ein junger Peruaner wie er auf dem Land wieder eine Perspektive sieht - das ist das eigentliche Wunder in den Anden.
Quelle: KNA, Autorin: Hildegard Willer
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sábado, 11 de mayo de 2013
Alasitas - schöne indigene Welt
Die Stände
bieten feil, was das Herz begehrt: Häuser in allen Bauphasen, vom
Rohbau bis zu mehrstöckigen Geschäftshaus mit Spiegelglasfassade und
Friseursalon, Autos (besonders beliebt: Pick-ups mit Vierradantrieb),
ein Topf mit Goldtalern, Abschlussurkunden der renommiertesten
Universitäten, Reisepaesse, und dazwischen immer wieder Bündel von Geld,
Geld, Geld.Die Menschen drängen an die Verkaufsstände, besonders
beliebt sind Geldscheine und Universtätstitel. All die Artikel gibt es
als Miniaturen auf dem Jahrmarkt “Alasitas” in Puno zu kaufen. Mit dem
Kauf alleine ist es jedoch nicht getan. Nur wenn man daran glaubt ,
wird der Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen. Die Verkäuferinnen
segnen das gekaufte Kleinod über dem Weihrauch mit ein paar
Aymara-Worten, besprengen es mit billigem Wein, schütten gelbes Konfetti
dazu und überreichen es Dir in der unvermeidlichen Plastiktüte. Danach
bringen viele das Gekaufte nochmal in die nahegelegene Kapelle, um es
auch vom katholischen Priester segnen lassen. Doppelt genäht hält
besser. Jedes Jahr Anfang Mai wird im peruanischen Puno der Jahrmarkt
der Wünsche abgehalten, “Alasitas” genannt, und es herrscht kein Zweifel
daran, dass die Menschen in Puno – wie auch im benachbarten Bolivien,
wo das “Alasitas” ebenfalls intensiv gefeiert wird – fest an dessen
Wirksamkeit glauben. Ganze Familien scharen sich mit ihren
Miniatur-Käufen um die Yatiris, die indigenen Priester, die an Alasitas
das Geschäft des Jahres machen. Die Bezahlung darf dann auch gerne in
einem Kasten Bier bestehen, mit dem das Gekaufte besprengt und gesegnet
wird – zuvor wird der Mutter Erde, der Pachamama, ihr Schluck Bier
gegeben, so will es der Brauch.
Ach die Pachamama! So
oft zitiert in den Schriften über die andine Kosmovision vom Guten
Leben, der zufolge der Mensch in Einklang mit der Natur lebt, im
Gegensatz zu unserer westlichen Zivilisation, die alle mit
Wohlstandsmüll überschüttet. Die Pachamama ist an Alasitas so wenig zu
finden, wie eine “Pituca” aus dem Limaer Nobelviertel San Isidro, wo das
Indigene höchstens im von Gaston Acurio veredelten Speisegericht
goutiert wird.
Ein paar Schritte
neben den Ständen stirbt der Titicaca-See an ungeklärt eingelassenen
Abwaessern der Stadt Puno oder an der toxischen
Arsen-Cadmium-Quecksilber-Mischung, die illegale Bergleute flussaufwärts
ins Wasser schütten. Der Titicaca-See war 2012 zum bedrohten See des
Jahres ernannt worden. Die Menschen in Puno scheint das nicht zu stören:
kein einziger Wunsch ist zu kaufen, der die Heilung der Umwelt zum
Thema hat. Stattdessen Geld, Gold, Waschmaschine, Haus und Auto. Das ist
Gutes Leben. In Puno wie anderswo auch.
Die indigene Vision
vom Guten Leben sei den Bolivianern und Peruanern, von aussen
aufoktroyiert worden. Die sogenannte andine Kosmovision würde vor allem
den Projektionen der westlichen Wohlstandsgesellschaften entspringen,
mehr als der tatsächlichen andinen Welt. Die sei in ihrer harten Natur
nämlich nie komplementär oder harmonisch gewesen, sondern mit ihren
wiederkehrenden Dürren verdammt hart. Und dass das komplementäre
Zusammenleben von Frau und Mann auch in den Anden nicht funktioniert,
zeigten nur schon die schreiend hohen Ziffern häuslicher Gewalt. Das
schreibt der Bolivianer Carlos Macusaya in der Zeitschrift Pukara
(http://www.periodicopukara.com/archivos/pukara-81.pdf)
Sollte es tatsächlich
so sein, dass ein Bewusstsein für das gemeinsame Gut “Umwelt” erst dann
wachsen kann, wenn die grundlegenden materiellen Bedürfnisse gedeckt
sind ? Und zu letzteren gehören, wenn man den Alasitas-Markt
interpretiert, auch in den Anden ein Haus, Waschmaschine, Geld und –
die deutschen Autobauer wird´s freuen – ein eigenes Auto.
Die Utopie eines
anderen, weniger materiellen, zukunftgerichteten und umweltschonenden
Lebensstils ohne Wirtschaftswachstum wird wohl nicht aus den Anden
kommen. Diese Utopie werden sich die Europäer selber mühsam schaffen
müssen.
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sábado, 6 de abril de 2013
Denkfehler Gletscherschmelze
Die Tropengletscher schmelzen rasant – ein Grossteil dieser Gletscher befindet sich in den peruanischen Anden – die peruanische Hauptstadt Lima befindet sich an der Küste und bezieht ihr Trinkwasser aus den Anden: Ergo wird das Trinkwasser in Lima knapp, wenn die Gletscher abschmelzen. FALSCH!!!!!
Zum wiederholten Male ist diese Falschmeldung auch in seriösen Medien zu lesen – so zuletzt in einer dpa-Meldung der heutigen Ausgabe von Spiegel Online mit dem Titel “Quelccaya-Gletscher. Perus Wassertresor schwindet rapide”. Darin wird eine Studie des Glaziologen Lennie Thompson zitiert, der das Eis am Gletscher Quilccaya untersucht hat und dabei tatsächlich zu alarmierenden Daten gekommen ist: die Geschwindigkeit des Abschmelzens hat um ein Vielfaches zugenommen, im Vergleich zu früheren Jahrhunderten. Dann noch ein Nebensatz, warum dies so alarmierend ist: die Hauptstadt Lima bezieht einen Teil ihres Trinkwassers aus dem Gletscher Quelccaya.
Das kann nur jemand behaupten, der nicht weiss, wo Quelccaya ist und wo Lima ist. Fast 700 Kilometer trennen die beiden Orte, das Wasser des schmelzenden Quelccaya im Südosten des Landes (Sicuani, Departament Cusco), fliesst in den Vilcanota und von dort Richtung Amazonas und landet letztlich im Atlantik. Lima liegt an der trockenen Pazifikküste 700 Kilometer weiter nördlich. Zu behaupten, dass Lima sein Wasser von den südlichen oder nördlichen Tropengletschern bezieht wäre so, wie wenn in Kärnten das Eis schmelzen und in Basel deswegen das Trinkwasser fehlen würde.
Der Denkfehler wird dadurch verstärkt, dass die 8-Millionen-Stadt Lima in einer Wüste liegt, und es an ein Wunder grenzt, dass das Wasser hier nicht knapp, bzw. noch knapper wird – rund 20% de Haushalte haben nämlich noch keinen eigenen Wasseranschluss.
Das Wasser-Wunder von Lima hat einen Namen und verdankt sich der Ingenieurs-Kunst: der Transandino-Tunnel der Zentralanden führt Wasser, das auf natürlichem Wege Richtung Atlantik fliessen würde, unter der Wasserscheide hindurch an den Pazifik herunter. Gletscher gibt es in den Zentralanden schon länger nicht mehr, die sind schon längst abgeschmolzen. Regenwasser wird stattdessen gestaut und in der Trockenzeit Richtung Lima abgelassen. Die Wasserzufuhr Richtung Lima wird also nicht durch die Gletscherschmelze beeinträchtigt. Sehr wohl aber, wenn der Regen in den Anden ausbleibt, oder wenn ein Erdbeben den Transandino-Tunnel beschädigen sollte.
Dringender ist für Lima die Qualität des Andenwassers. Eine Abraumhalde nach der anderen säumt das Flussbett des Rimac in den Zentralanden, die Bergwerke leiten immer noch recht unreguliert toxischen Abraum aus dem Bergbau in den Fluss ein. Die Reinigung des Trinkwassers in Lima wird dadurch um ein vielfaches teurer – die Kosten zahlt bisher der Staat, und nicht die Verursacher.
Trotz Transandino-Tunnel kann die Wasserversorgung in Lima auch quantitativ an ihre Grenzen kommen: wenn nämlich die Stadt weiter wächst und die boomende wachsende Mittelschicht meint, sie müssten in der Wüste so leben, wie dies ihre nördlichen Nachbarn in Kalifornien tun, nämlich mit grünem Rasen und privatem Swimmingpool.
Dramatisch ist die Gletscherschmelze allerdings für die Dörfer und Städte, die tatsächlich von ihnen versorgt werden, so das Tal des Santa-Flusses im Norden (mit geplanten Spargel- und Artischockenplantagenfür den Export an der Küste) und vor allem im Süden des Landes mit den Städten Cusco und Arequipa, wo der Quellcaya abschmilzt und wo infolge des Klimawandels der Regen aller Wahrscheinlichkeit zurückgehen wird.
Vorerst wird gerade dort der Wasserhaushalt trügerisch ansteigen, durch das zusätzliche Schmelzwasser. Das böse Ende kommt danach und wird derweil fleissig verdrängt durch Ersatzhandlungen wie Shopping und Autokauf.
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